Panorama

"America Resist!" Trump dominiert auch den Karneval

Die Karnevalssaison erreicht in den Hochburgen ihren Höhepunkt. Hunderttausende wohnen den Straßenumzügen bei. Gewohnt bissig nehmen die Jecken dabei die Politik aufs Korn. Besonders bunt treibt es Düsseldorf.

Helau und Alaaf - Hunderttausende Narren haben sich von den Rosenmontagszügen in Köln, Düsseldorf und Mainz begeistern lassen. Die beliebteste Zielscheibe für Spott war auf den Wagen dieses Jahr Donald Trump. In Düsseldorf - bekannt für seine besonders freche Satire - versuchte ein Figur des US-Präsidenten, die vor ihm knieende Freiheitsstatue sexuell zu missbrauchen. Auf einem anderen Wagen hatte Lady Liberty dagegen den Sieg über ihn errungen und schwenkte sein abgeschlagenes Haupt. Auf ihrem Gewand prangte die Auforderung "America Resist!" - "Amerika, leiste Widerstand!"

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Deftiges aus Düsseldorf.

(Foto: dpa)

Man habe die Wagen bewusst drastisch gestaltet, um zu zeigen, wie gefährlich die Situation sei, sagte Wagenbauer Jacques Tilly der dpa in Düsseldorf - und versprühte Zuversicht: "Letztlich wird Liberty Widerstand gegen Trump leisten und siegen."  Der US-Präsident war zudem auf einem Wagen gemeinsam mit der rechtsextremen französischen Präsidenschaftskandidatin Marine Le Pen, dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders und einem blondierten Adolf Hitler zu sehen. In ihren Händen halten sie gemeinsam ein Banner mit der Aufschrift "Blond ist das neue Braun". In Köln kam Donald Trump als Neuling in eine Schulklasse und griff dort der Freiheitsstatue unter den Rock. Bei den Mainzern trampelte er als Elefant durch einen Porzellanladen.

Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fuhr in Pappmaché nachgebildet mit. Düsseldorf zeigte ihn als Steinzeitmenschen mit Speer im Kampf gegen das ausgewachsene "Mammutti", Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein Wagen widmete sich etwa der Auseinandersetzung im anstehenden Bundestagswahlkampf. Merkel war dabei als auf dem Rücken liegender Marienkäfer zu sehen, während Schulz mit Schmetterlingsflügeln dargestellt wurde. Auf einem bis zum Schluss geheimgehaltenen Wagen der Kölner malte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Welt, "wie sie ihm gefällt": Aus einem grauen Gefängnis wurde da eine leuchtende Villa Kunterbunt.

Vergraulen die Sicherheitsvorkehrungen die Jecken?

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In Köthen gab die Damen ebenfalls ihr Bestes.

(Foto: dpa)

Unter grauem Himmel feierten die bunt kostümierten Narren ausgelassen wie immer, wobei der Betrieb in Köln und Düsseldorf nicht so groß zu sein schien wie in den Vorjahren. In Düsseldorf zum Beispiel waren nach einer Schätzung des Comitees Düsseldorfer Carneval 600.000 Feiernde auf den Beinen. Grobe Einschätzungen zur Menschenmasse am Rosenmontag bewegen sich dort für gewöhnlich bei einer Million. In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wurde in diesem Jahr unter dem Motto "Uns kritt nix klein- Narrenfreiheit, die muss sein" gefeiert.

In Mainz rollte um 11.11 Uhr der längste Rosenmontagszug in der Geschichte der Stadt an. Im Kölner Zug liefen und fuhren mehr als 10.000 Menschen mit und brachten 300 Tonnen Süßigkeiten unters Volk. Am Nachmittag strauchelte in Köln ein Pferd und blieb auf dem Zugweg liegen. In der Domstadt stand der Karneval unter dem Motto "Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck", was auf hochdeutsch so viel bedeutet wie: "Wenn wir unsere Kinder sehen, sind wir von den Socken".

Die Zugstrecke wurde in Köln von 1700 Polizisten bewacht, in Düsseldorf und Mainz waren es rund 1000. Große Zufahrtsstraßen wurden mitunter von Wasserwerfern und anderen großen Polizeifahrzeugen blockiert. Sowohl in Köln und Düsseldorf als auch in Mainz war die Innenstadt für Lastwagen gesperrt, aus Vorsorge gegen Terroranschläge wie auf dem Berliner Weihnachtsmarkt.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/AFP