Panorama

Menge zu Kapitol-Sturm angeheizt Trumps Anwalt Giuliani droht Kammer-Rauswurf

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Dieser Auftritt am vergangenen Mittwoch könnte für Trumps Anwalt Giuliani Folgen haben.

(Foto: REUTERS)

Nach dem Sturm auf das Kapitol müssen sich 20 fanatische Trump-Anhänger vor einem Bundesgericht verantworten. Sogar der zögerliche US-Außenminister Pompeo verlangt inzwischen Strafen für die Täter. Auch für Trumps Anwalt Giuliani könnte es eng werden: Die Anwaltskammer prüft seinen Rauswurf.

Nach dem Sturm des US-Kapitols durch Anhänger von Präsident Donald Trump prüft die New Yorker Anwaltskammer den Rausschmiss von dessen Anwalt Rudy Giuliani. "Der Präsident der Anwaltskammer, Scott M. Karson, hat eine Untersuchung gemäß der Satzung der Vereinigung eingeleitet, um festzustellen, ob Herr Giuliani aus den Mitgliederlisten der Vereinigung gestrichen werden sollte", hieß es in einer Mitteilung.

Das Vorgehen gehe auf zahlreiche Beschwerden über Giulianis Verhalten als Anwalt zurück, aber vor allem auch auf dessen Äußerungen bei einem Auftritt bei Trumps folgenreicher Großkundgebung am 6. Januar. Dort hatte Giuliani der Menge zugerufen, sie solle für ihr Recht kämpfen. Seit November war der 76-jährige ehemalige Bürgermeister New Yorks einer der wichtigsten Helfer Trumps beim Versuch, seine Wahlniederlage mit haltlosen Vorwürfen des Wahlbetrugs in Frage zu stellen.

Nach dem Sturm auf das Kapitol fordert inzwischen auch US-Außenminister Mike Pompeo, die Täter "schnell" zur Rechenschaft zu ziehen. "Amerikas Demokratie wird durch Recht und Ordnung erhalten, nicht durch das Handeln eines Mobs", schrieb Pompeo auf seinem privaten Twitter-Konto. Pompeo gilt als sehr loyal gegenüber seinem Chef, dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump. Pompeo hatte sich am vergangenen Donnerstag, einen Tag nach dem Sturm auf das Kapitol durch Anhänger Trumps, auf Twitter gegen die Verunglimpfung der USA als "Bananenrepublik" gewehrt und die Widerstandskraft der amerikanischen Demokratie betont. In seinen Tweets bezeichnete er den Angriff als "verwerflich", rief jedoch nicht explizit zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter auf.

Zwei weitere Festnahmen nach Kapitol-Sturm

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Washington von zwei weiteren Festnahmen rund um den Sturm auf das Kapitol berichtet. Die Bundespolizei FBI habe einen der Beschuldigten in Texas gefasst, den anderen in Tennessee. Die beiden Männer sollen demnach im Kapitol Plastik-Handfesseln mit sich getragen haben, wie sie normalerweise Polizisten bei Festnahmen verwenden. Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, den Verdächtigen würden vor einem Bundesgericht illegales Eindringen in ein besonders gesichertes Gebäude sowie gewaltsames Eindringen und ungebührliches Verhalten auf dem Gelände des Kapitols zur Last gelegt.

Im Zusammenhang mit dem Sturm auf das Kapitol am Mittwoch müssen sich inzwischen mindestens 20 Verdächtige vor einem Bundesgericht verantworten. Bei dem Angriff auf das Parlament kamen mindestens fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Kritiker werfen Trump vor, den Mob vor der Erstürmung des Kapitols bei einer Kundgebung aufgestachelt zu haben. Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus brachten inzwischen eine Resolution ein, um ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen den abgewählten Präsidenten einzuleiten.

Quelle: ntv.de, mau/AFP