Panorama

Mit dem Welterbestatus vereinbar UNESCO erlaubt Rheinbrücke

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Die Brücke nahe des Loreleyfelsen bei St. Goar im Mittelrheintal darf gebaut werden.

(Foto: dpa)

Zwischen Burgen und Felsschluchten darf nahe der Loreley eine Brücke über den Rhein gebaut werden. Dagegen wurde die Entscheidung über einen Brückenbau in Regensburg vertagt.

Rheinromantik und moderne Verkehrsplanung schließen sich nicht aus: Zwischen Burgen und Schluchten wird nahe dem weltberühmten Loreley-Felsen eine Brücke gebaut. Die Unesco hält das Projekt zwischen St. Goar-Fellen und St. Goarshausen-Wellmich für vereinbar mit dem 2002 verliehenen Welterbestatus des Oberen Mittelrheintals. Während die rheinland-pfälzische SPD- Landesregierung und die Wirtschaft jubeln, warnen Kritiker vor Umweltschäden. Die Betreiber der Rheinfähren stehen wohl vor dem Aus, und auf das Land kommt jede Menge Arbeit zu.

Ministerpräsident Kurt Beck und Verkehrsminister Hendrik Hering teilten mit, das Unesco- Welterbekomitee in Brasília habe grünes Licht für die Planung der Brücke gegeben. "Der Weg für den Bau einer Mittelrheinbrücke ist damit frei", hieß es aus Mainz. Ein Raumordnungsverfahren könne nun vorbereitet werden. Die Wirtschaft zeigte sich erleichtert. "Ich bin sehr froh, dass sich die Unesco für ein lebendiges Mittelrheintal entschieden hat, in dem sich Menschen und Wirtschaft entwickeln können", sagt der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Hans-Jürgen Podzun.

Entscheidung in Regensburg vertagt

Der Rhein sei bisher für viele Firmen eine "Wachstumsbarriere" gewesen. Die Unesco habe "auch ein Zeichen dafür gesetzt, dass der Welterbestatus und die zukunftsfähige Entwicklung einer Region keine Widersprüche sein müssen", sagt Podzun. Zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel. Bislang bringen Fähren die Menschen in der Region von der einen auf die andere Flussseite. Der Geschäftsführer der Fähre Loreley GmbH, Klaus Hammerl, sieht jetzt schwarz: "Das bedeutet für mich, dass ich das Unternehmen irgendwann einstelle."

Hilfe bekommt er noch von den Grünen. Der Bundestagsabgeordnete Josef Winkler kündigte an, den geplanten Brückenbau mit allen politischen und rechtlichen Mitteln zu bekämpfen. Die Partei kritisierte zudem Belastungen der Umwelt durch den stärkeren Verkehr.

In einem anderen Fall haben die Unesco-Experten hingegen die Entscheidung vertagt. Die Stadt Regensburg hatte bei der Weltorganisation angefragt, ob sie am Rande der historischen Altstadt eine Brücke über die Donau errichten darf. Das Bauwerk soll den innerstädtischen Busverkehr beschleunigen und ein Ersatz für die seit zwei Jahren gesperrte Steinerne Brücke sein. Die fast 900 Jahre alte "Steinerne" ist das wichtigste Denkmal der Welterbestadt neben dem gotischen Dom. Um von der Unesco grünes Licht zu bekommen, hatte die Stadt eigens eine Studie anfertigen lassen. Doch die Kommission in Brasilia hat den Antrag aus Bayern aus Zeitgründen erst einmal auf Eis gelegt, die Fachleute werden sich möglicherweise erst 2011 mit dem Regensburger Gutachten beschäftigen.

Kein Freifahrtschein

Dem Dresdner Elbtal war 2009 der Welterbestatus wegen einer Brücke aberkannt worden. Damals war die Brücke als wesentlicher Eingriff "in den außergewöhnlichen universellen Wert der Region" bewertet worden, sagt der Sprecher der deutschen Unesco-Kommission in Bonn, Dieter Offenhäußer. "Das ist im Fall Mittelrhein nicht so." Im Gegenteil: Derselbe Wissenschaftler, der an der Elbe noch Bedenken angemeldet hatte, sah am Rhein keine Gefahr für das Welterbe. Zudem habe das Welterbekomitee die große Kooperationsbereitschaft des Landes gelobt, sagt Offenhäußer. Die habe in Dresden gefehlt.

Ein Freifahrtschein ist der Unesco-Beschluss dennoch nicht. Der deutsche Unesco-Sprecher nennt ihn "grünes Licht mit Begleitschutz". Bis Februar 2011 soll die Landesregierung dem Gremium nun einen Masterplan für die Gesamtentwicklung der Region vorlegen. Der Brückenbau soll nach Planungen des Wirtschaftsministeriums 2016 beginnen und 2018 fertig sein.

Quelle: ntv.de, Tobias Goerke, dpa

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