Panorama
Montag, 16. Juli 2007

Millionen für Missbrauchsopfer: US-Kirche kauft sich frei

Mit zwiespältigen Gefühlen haben viele Katholiken in den USA die Entscheidung der Erzdiözese von Los Angeles aufgenommen, den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester eine Millionenentschädigung zu zahlen. In einer außergerichtlichen Einigung sagte die Kirche zu, rund 500 Klägern insgesamt 660 Millionen Dollar zu zahlen. Dem Vernehmen nach soll jeder Betroffene eine Entschädigung von durchschnittlich 1,2 bis 1,3 Millionen Dollar erhalten. Auch sollen der Vereinbarung zufolge vertrauliche Dokumente über die beklagten Priester freigegeben werden. Damit soll geklärt werden, ob die Führungsspitze der Erzdiözese von dem Missbrauch gewusst und ihn vertuscht habe. Die Kirche vermeidet damit einen Prozess, der am Montag beginnen sollte. Die sexuellen Übergriffe gegenüber Kindern datieren teilweise bis in die 1940er Jahre zurück.

Der 47-jährige Steve Sanchez, eines der Opfer, erinnerte daran, dass nur einige der Opfer bereit waren, in die Öffentlichkeit zu gehen und für eine Entschädigung zu kämpfen. Die 59-jährige Krankenschwester Mary Ferrell, die in den 50er Jahren sexuell missbraucht wurde, sagte, die Höhe der Zahlungen zeige die Schuld der Kirche. Das Geld werde ihr das Leben finanziell leichter machen, aber es werde ihr Leiden und ihren Schmerz nicht lindern können. Einige der Opfer bedauerten zugleich, dass sich Verantwortliche der Kirche nun nicht mehr den Fragen des Gerichts stellen müssen.

Der Kardinal von Los Angeles entschuldigte sich bei den Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester. So etwas hätte nie passieren dürfen, und er werde dafür sorgen, dass es nie wieder passieren könne, erklärte Roger Mohony am Sonntag an die Adresse der Betroffenen gerichtet. Er wünschte, er könnte ihnen ihre Unbefangenheit zurückgeben, auch wenn er wisse, dass dies unmöglich sei. Auch die nunmehr vereinbarte finanzielle Entschädigung könne dies letztlich nicht aufwiegen.


Der Skandal um sexuelle Übergriffe katholischer Priester gegenüber Kindern kam 2002 zuerst in Boston auf. Damals wurde bekannt, dass die Kirchenführung Hinweisen auf die Verfehlungen der Priester nicht konsequent nachging, sondern sie in andere Gemeinden versetzte.

Quelle: n-tv.de