Panorama

Ölteppich nicht mehr aufzuhalten USA rufen Katastrophe aus

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Die US-Küstenwache versucht verzweifelt, den riesigen Ölteppich einzudämmen.

(Foto: REUTERS)

Die USA bereiten sich auf eine der möglicherweise schlimmsten Umweltkatastrophen ihrer Geschichte vor: Der riesige Ölteppich im Golf von Mexiko lässt sich kaum mehr aufhalten, Louisiana ruft bereits den Notstand aus. Präsident Obama schickt die Armee zu Hilfe und will den Ölkonzern BP für die Katastrophe bezahlen lassen.

Die USA bereiten sich auf eine Ölpest entlang ihrer Golfküste vor. Der im Meer treibende gigantische Ölteppich lässt sich nach Einschätzung der Regierung in Washington nicht mehr aufhalten. Er wird zudem noch früher auf die Küste treffen als erwartet. Angesichts der Wetterlage sei damit bereits in der Nacht oder gegen Freitagmorgen (MESZ) zu rechnen, teilte ein Sprecher der US-Wetterbehörde NOAA mit. Zunächst werde das Öl im Laufe des Freitags die Küste des Staates Louisiana erreichen.

Es könne noch 90 Tage dauern, bis ein Entlastungsventil an der vor einer Woche gesunkenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" angebracht sei, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Innenministeriums. Bis dahin könnten aus den drei Lecks weiter bis zu 5000 Barrel Rohöl täglich in den Golf von Mexiko sprudeln, also fast 800.000 Liter. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief bereits den Notstand aus.

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Das Ausmaß der Katastrophe aus Satelliten-Perspektive.

(Foto: dpa)

Die US-Regierung hat die Ölpest ebenfalls als Katastrophe "von nationaler Bedeutung" eingestuft. Das sagte die Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Damit können Ressourcen aus anderen Regionen abgezogen und alle Maßnahmen besser und schneller koordiniert werden. Die Ölpest könnte nach Angaben der Küstenwache zu einer der bisher verheerendsten Umweltkatastrophen in der US-Geschichte werden.

BP soll bezahlen

Die Bewohner der Golfküste machen sich auf das Schlimmste gefasst. Gefährdet ist ein komplexes Ökosystem mit vielen beliebten Stränden entlang der Küsten von Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida. Fischer und Hoteliers sehen sich in ihrer Existenz bedroht.

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Der Konzern BP bereitet nun auch den Schutz der Küste vor.

(Foto: AP)

Präsident Barack Obama kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen den Ölteppich an. Notfalls werde auch das Militär eingesetzt, sagte er. Gleichzeitig erhöhte er den Druck auf den britischen Ölkonzern BP, der als Auftraggeber für die Aufräumarbeiten finanziell geradestehen müsse.

Obama will Janet Napolitano, den Innenminister Ken Salazar und die Chefin der Umweltbehörde (EPA), Lisa Jackson, am Freitag in die Krisenregion schicken. Sie sollen sich über die getroffenen Maßnahmen informieren und weiter Druck auf BP ausüben. Derzeit sind 16 Bundesbehörden in die Kontroll- und Schutzmaßnahmen eingeschaltet.

Drittes Leck verschärft die Lage

Den Einsatzkräften läuft die Zeit davon. Die Ölpest droht völlig außer Kontrolle zu geraten - spätestens seit am Mittwoch in 1500 Metern Tiefe ein drittes Leck entdeckt wurde. Bisherige Versuche zur Eindämmung des gigantischen Teppichs - wie zuletzt das kontrollierte Abfackeln von Teilen des Öls - brachten keine entscheidenden Erfolge.

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BP hat zugesichert, "alles zu tun, um die Auswirkungen dieses Ereignisses zu minimieren". Nach Angaben des Ölmultis ist bereits der größte Einsatz aller Zeiten zur Eindämmung eines Ölteppichs im Gange. Bislang konnten die Lecks jedoch auch mit Unterwasser-Robotern nicht abgedichtet werden. Analysten schließen inzwischen deutliche Belastungen für den Konzern nicht mehr aus. Die BP-Aktie verlor mehr als 6,5 Prozent an Wert.

Neben dem Abfackeln, Absaugen und Binden des Öls durch Chemikalien arbeitet BP weiter an der Herstellung einer Stahlkuppel, die über das Bohrloch gestülpt werden soll. Austretendes Öl und Gas könnten darin gesammelt und in einen Unterwasser-Auffangbehälter geleitet werden. Am Freitag wollte der Ölkonzern auch mit dem Bohren eines weiteren Loches beginnen, um die Hauptleitung im Meeresboden zu entlasten. Auch dies ist ein langwieriger Prozess.

BP weist Schuld von sich

In einem Interview des US-Senders CNN machte BP-Chef Tony Hayward das Unternehmen Transocean für das Unglück verantwortlich. Von dieser Firma hatte BP die Bohrinsel "Deepwater Horizon" geleast. Ein Transocean-Sprecher wollte keinen Kommentar zu den Vorwürfen abgeben. Der für Sicherheit zuständige Manager Adrian Rose sagte nach CNN-Angaben lediglich, es habe vor der Explosion keine Anzeichen für Probleme auf der Bohrinsel gegeben.

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Wenn das Öl die Küste erreicht, wird dies katastrophale Folgen haben.

(Foto: AP)

Doch nicht nur BP sieht sich zunehmend in die Enge getrieben. Auch Obama steht unter wachsendem Druck, da er sich erst kürzlich dafür ausgesprochen hatte, weitere Öl- und Gasbohrungen vor der US-Atlantikküste zuzulassen. Der Vorfall im Golf zeige, "dass dies trotz aller technischer Fortschritte immer noch ein riskantes Geschäft ist", sagte ein Sprecher der einflussreichen Naturschutzorganisation Sierra Club.

Außerdem muss die Regierung den Eindruck verhindern, zu zögerlich vorzugehen. Obamas Vorgänger George W. Bush war vor fünf Jahren massiv in die Kritik geraten, als der Hurrikan Katrina New Orleans verwüstete. Damals wurde ihm mangelndes und zu langsames Krisenmanagement vorgeworfen.

Die Bohrinsel war vor einer Woche gesunken, nachdem sie zwei Tage zuvor durch eine Explosion in Brand geraten war. Die meisten Arbeiter konnten sich in Sicherheit bringen, elf wurden jedoch weiter vermisst. Es wird davon ausgegangen, dass sie das Unglück nicht überlebt haben.

Quelle: ntv.de, rts/AFP/dpa

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