Südkorea hebt Ehebruch-Gesetz aufVerfassungsänderung nach 62 Jahren
Bis zu zwei Jahren Haft drohten untreuen Ehepartner in Südkorea. Als eines der wenigen nicht islamischen Länder stellte das Land Ehebruch unter Strafe - ein Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte, urteilen Seouler Richter.
Das südkoreanische Verfassungsgericht hat ein Gesetz aus dem Jahr 1953 aufgehoben, das für Ehebruch Strafen von bis zu zwei Jahren Haft vorsah. Mit sieben zu zwei Stimmen beschlossen die Richter, dass das seinerzeit zum Schutz der Familie erlassene Gesetz verfassungswidrig sei. Das Gesetz sei unvereinbar mit den Persönlichkeitsrechten, lautete die Begründung. Ehebruch müsse zwar als "unmoralisch" verurteilt werden, doch der Staat dürfe sich nicht in das Privatleben von Eheleuten einmischen, sagte Gerichtspräsident Park Han Chul.
Südkorea war weltweit eines der wenigen nicht-islamischen Ländern, in denen außerehelicher Sex als Straftat galt. Das noch stark von konfuzianistischen Traditionen geprägte Land war bisher neben Nordkorea und Taiwan eines von drei asiatischen Ländern, die Ehebruch unter Strafe stellten, wie südkoreanische Medien schrieben.
Im Jahr 2008 war eine der bekanntesten südkoreanischen Schauspielerinnen, Ok So Ri, wegen Ehebruchs zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. In den vergangenen Jahren gab es im Zuge des gesellschaftlichen Wandels zunehmend weniger Verurteilungen wegen dieses Delikts.
Die Aktie der südkoreanischen Kondomfirma Unidus Corp., eine der größten der Welt, reagierte auf das Gerichtsurteil mit einem Sprung nach oben. An der Seouler Börse legte sie um 15 Prozent zu.