Panorama

Wende in Vierfachmord-Ermittlungen War der Radfahrer das Mordziel?

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Etwa 25 Patronenhülsen wurden am Tatort gefunden.

(Foto: AP)

Sylvain Mollier ist der Radfahrer, der beim Vierfachmord in den französischen Alpen ums Leben kam. Bisher gilt der Mitarbeiter einer Nuklearfirma als Zufallsopfer - zur falschen Zeit am falschen Ort. Doch möglicherweise sind alle Ermittlungsansätze, die sich auf die irakischstämmige Familie al-Hilli richteten, falsch und Mollier ist der Schlüssel.

Möglicherweise haben die französischen und britischen Ermittler nach dem mysteriösen Vierfachmord in den Alpen bisher völlig falsche Ansätze verfolgt. Bisher hieß es immer, es gebe drei Ermittlungsrichtungen: Zum einen würden Kontakte des getöteten Familienvaters Saad al-Hilli in dessen Geburtsland Irak verfolgt. Zwei andere Ermittlungsschwerpunkte seien das berufliche Umfeld des in der Raumfahrtbranche beschäftigten Briten sowie ein möglicher Erbstreit mit dem Bruder.

Neue Ermittlungsergebnisse deuten nun aber darauf hin, dass nicht Al-Hilli und seine Familie das eigentliche Ziel des Angriffs waren, sondern der bisher als zufällig vorbeikommender Radfahrer eingeordnete Sylvain Mollier. Die überlebende siebenjährige Tochter Zainab berichtete laut einem Bericht der "Daily Mail", dass der Angreifer zunächst auf Mollier schoss. Dies belegen auch die ballistischen Untersuchungen.

Hauptziel nicht Al-Hilli

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Saad al-Hilli mit seiner älteren Tochter außerhalb des Autos auf. Die Ermittler fanden an seinen Schuhen das gleiche Material wie auf dem Parkplatz. Als der britische Ingenieur die Lage realisierte, sei er mit seiner Tochter ins Auto gestiegen, in dem schon seine Frau, die Schwiegermutter und die vierjährige Zaina saßen. Al-Hilli verriegelte alle Türen und versuchte zu fliehen. Doch in seiner Panik setzte er den BMW zurück und fuhr sich in einer Pfütze fest. Dann fielen die tödlichen Schüsse. Als der Mörder die Familie tot wähnte, schoss er erneut auf den bereits am Boden liegenden Radfahrer Mollier, der damit von insgesamt sieben Schüssen getroffen wurde. Der Augenzeuge, der Verbrechen und Tatort entdeckt hatte, berichtete, er habe das Auto mit laufendem Motor und verriegelten Türen vorgefunden.

Mit diesen neuen Informationen verschiebt sich der Fokus der Ermittlungen nun auf Mollier, zumal das Geld, um das angeblich in der Familie al-Hilli gestritten wurde, inzwischen unangetastet bei einer Genfer Bank gefunden wurde. Der 45-jährige Mollier arbeitete für die Firma "Cezus", eine Tochtergesellschaft der Areva-Gruppe, die Hüllen für atomare Brennstäbe herstellt. 2007 geriet Cezus ins Zwielicht, als man dem Unternehmen anlastete, angereichertes Uran an den Iran geliefert und damit das UN-Embargo gebrochen zu haben.

Der französische Ermittler Benoît Vinnemann hält es nicht für ausgeschlossen, dass der dreifache Familienvater Mollier ein Doppelleben führte. Er sagte: "Wir sprechen über jemanden, vom dem jeder sagt, er sei ein Gentleman. Aber wer sagt, dass er nicht ein Doppelleben geführt hat?" Allerdings begründete Vinnemann diese Annahme nicht. Mollier wurde inzwischen in seiner französischen Heimatgemeinde beigesetzt. Entgegen den Wünschen seiner Familie wurde er jedoch nicht verbrannt. Damit ließen sich die Forensiker eine weitere Untersuchung des Leichnams offen.

Mollier lebte in dem Dörfchen Ugine nahe dem Annedy-See und nicht weit entfernt vom Tatort bei Chevaline. Er befand sich nach der Geburt seines jüngsten Kindes im Juni gerade im Vaterschaftsurlaub und nutzte die freie Zeit zum Radfahren. Außerdem hat er zwei Jungen aus einer früheren Verbindung.

Bisher hatte es immer geheißen, er sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Doch nun könnte dies für die Familie al-Hilli gelten, und das Hauptziel des Mörders war womöglich Sylvain Mollier.

Quelle: n-tv.de, sba