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Jetzt die Virus-Kurve abflachen Was radikale Maßnahmen bewirken sollen

Handeln ist in der aktuellen Phase wichtig, um die Fallzahlen zu stabilisieren.

Handeln ist in der aktuellen Phase wichtig, um die Fallzahlen zu stabilisieren.

(Foto: imago images/Lichtgut)

In vielen Ländern schließen Schulen und das öffentliche Leben kommt weitgehend zum Erliegen. Viele Menschen fragen sich, warum so viel Aufwand betrieben wird. Experten sind sich einig: Nur durch diese rigorosen Maßnahmen kann die Verlaufskurve von Covid-19 abflachen. ntv.de erklärt, was dahintersteckt.

Museen und Theater schließen, Sportveranstaltungen werden abgesagt, viele Arbeitnehmer arbeiten im Homeoffice: Warum wird das alles getan? Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 3000 bestätigte Fälle von Covid-19. Doch Experten befürchten, dass die Zahl der Infizierten deutlich ansteigen könnte, wenn der Alltag im Land ganz normal weitergeht: Klassenfahrten, Konzerte, Club-Besuche - das alles sind Anlässe, die viele Menschen zusammenbringen und das mögliche Infektionsrisiko erhöhen.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat die beschlossenen flächendeckenden Schulschließungen in mehreren Bundesländern begrüßt. Schulschließungen seien ein "gutes Mittel", um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sagte Wieler.

Private Aktivitäten und öffentliche Veranstaltungen sollen aus Präventions-Gründen reduziert beziehungsweise abgesagt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte gestern an die Menschen in Deutschland, alle Sozialkontakte soweit wie möglich einzuschränken. In dieser Phase des Coronavirus in Deutschland ist der Zeitfaktor besonders gravierend - und das Handeln im aktuellen Zeitrahmen kann entscheidend sein.

Denn führende Virologen wie Christian Drosten von der Charité Berlin sehen zum jetzigen Zeitpunkt noch eine Chance, die Verlaufskurve des Virus in Deutschland zu beeinflussen. Es handele sich allerdings um ein kleines Zeitfenster, das nun auch genutzt werden muss, wie Drosten in seinem täglichen NDR-Podcast zum Coronavirus erklärte. "Deutschland hat seinen Ausbruch früh erkannt und muss nun aus diesem Vorsprung jetzt aber auch etwas machen", erklärte der anerkannte Virologe, der auch die Bundesregierung berät. Er warnte auch, dass, wenn Deutschland nicht entschieden handeln würde, es der Bundesrepublik wie Italien ergehe.

Die Kurve verändern und das System entlasten

Unter dem international verbreiteten Schlagwort "Flatten the Curve", zu Deutsch "Die Kurve abflachen", verbirgt sich eben genau diese Strategie, den Verlauf durch konkrete Maßnahmen zu beeinflussen. Dazu kann jeder Einzelne, ob Virusträger oder gesunder Mensch, beitragen.

*Datenschutz

Durch die getroffenen Schutzmaßnahmen könnten sich deutlich weniger Menschen in einem kurzen Zeitraum mit Sars-Cov-2 infizieren als ohne. Den Virologen und Medizinern geht es vor allem darum, dass die Zahl der Infektionen nicht schnell und massiv nach oben geht. Bei einer massiven und rapiden Ausbreitung hätte Deutschland nicht genügend Intensivbetten beziehungsweise nicht genügend Personal, um alle Menschen - Viruserkrankte sowie andere Patienten - angemessen zu versorgen. Das Gesundheitssystem würde dann schnell an seine Grenzen stoßen.

Reinhard Busse, Gesundheitsexperte von der TU Berlin, ruft die Bürger ebenfalls zur Umsicht auf: "Die Bevölkerung muss mitdenken und jetzt nicht in die Krankenhäuser stürmen, um diese von ihrer Arbeit an den Schwerkranken abzuhalten. Ich glaube, es muss als Message herüberkommen, dass Krankenhäuser wirklich für die Schwerkranken da sind und nicht für jeden Hustenden."

Experten wie Drosten gehen zwar davon aus, dass sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung ohnehin infizieren werden. Aber durch ein Abflachen der Verlaufskurve würde die Zahl der Infektionen auf einen längeren Zeitraum gestreckt und die Kapazität des Gesundheitssystems könnte dies auffangen.

Aus diesem Grund werden hierzulande aktuell viele Maßnahmen getroffen. Ihr vorrangiges Ziel: die Verlaufskurve der Corona-Pandemie abzuflachen. Das Bundesgesundheitsministerium hat in einem Twitter-Video gezeigt, wie sich Vorsichtsmaßnahmen auf Fallzahlen und Zeiträume auswirken und wirbt damit auch um Verständnis bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Quelle: ntv.de