Panorama

Konsequenz der Corona-Krise Wettervorhersagen werden ungenauer

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Eine Alternative zu Flugzeugen können Wetterballons sein.

(Foto: picture alliance / Ulrich Perrey)

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der Wettervorhersage. Mit den drastisch weniger Flugzeugen am Himmel, fehlen Meteorologen wichtige Daten. Im Interview erklärt ntv-Meteorologe Björn Alexander, wie viel schlechter Prognosen jetzt tatsächlich sind.

ntv.de: Die Auswirkungen des Coronavirus ziehen sich durch alle Lebensbereiche und machen auch vor der Qualität von Wettervorhersagen nicht halt. Warum?

Björn Alexander: Grundsätzlich braucht man für jede Wettervorhersage die Berechnungen der Wettercomputer. Das sind Großrechner, die von den verschiedenen Wetterdiensten betrieben werden und tagtäglich Vorhersagen ausgeben. In der Regel passiert das mehrfach am Tag in verschiedenen räumlichen Auflösungen. Und natürlich auch für alle möglichen Parameter wie Druck, Wind, Bewölkung oder Niederschlag. Grundlage für diese Prognosen sind immer aktuelle Wetterdaten. Je mehr Daten in die Berechnungen einfließen, umso besser sind am Ende die Prognosen.

Woher stammen die Wetterdaten?

Einerseits stammen sie von Beobachtungssystemen wie Wetterstationen am Boden, Wetterballone, Bojen, Schiffe oder auch Satellitenmessungen und -daten sowie Radardaten. Andererseits sind es Informationen, die uns Flugzeuge liefern. Und gerade die sind aufgrund der Corona-Pandemie natürlich deutlich reduziert worden.

Welche Informationen liefern die Flieger normalerweise?
Das kann man sich ähnlich wie bei Wetterballonen vorstellen, die einen Vertikalschnitt durch die Atmosphäre liefern. Und nicht nur für einen Aufstieg, sondern natürlich für Start, Landung und für alle Daten während des Fluges.

Welche Daten sind das genau?

Das sind beispielsweise Temperatur, Wind, Feuchtigkeit und Wind vom Boden in einigen Kilometern Höhe. Eben bis zu Reiseflughöhe von rund 10 bis 12 Kilometern Höhe. Und zwar in einer sehr hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung über alle Kontinente und Ozeane. Das sind enorm große Datenmengen.

Kann man in etwa sagen, wie viele?

Alleine über Mitteleuropa sind es normalerweise über 300.000 Meldungen - und zwar täglich. Inzwischen ist die Zahl der Meldungen auf unter 50.000 zurückgegangen. Das sind also keine 20 Prozent der ansonsten üblichen Meldungen.

Wie viel schlechter werden hierdurch die Wetterprognosen?

Das hängt grundsätzlich von den Wetterlagen ab. Weniger problematisch ist unser derzeitiges Hochdruckwetter. Hier dürfte es für Mitteleuropa kaum Unterschiede geben. Allerdings sieht das mit anderen Wetterlagen sicherlich anders aus.

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Lässt sich das quantifizieren?

Derzeit kann man von einer Verschlechterung von rund 10, vielleicht sogar 15 Prozent ausgehen. Je nach Dynamik der Wettersituation. Das hängt natürlich auch vom Vorhersagezeitraum ab. Grundsätzlich betrifft es aber sowohl die kurzfristigen als auch die mittelfristigen Vorhersagen.

Kann es auch passieren, dass schlimme Stürme womöglich gar nicht erkannt werden?

Ganz übersehen wohl nicht. Aber vielleicht wird die Vorlaufzeit etwas reduziert. Wenn wir mal beispielsweise Orkan "Sabine" in diesem Jahr oder Orkan "Kyrill" im Jahr 2007 sehen, dann hatten wir da durchaus mal vier bis fünf Tage in der Prognose Vorlauf. Jetzt würde sich das vielleicht um einen Tag reduzieren. Das reicht für entsprechende Vorbereitungen und Warnungen aber natürlich noch locker aus.

Kann man dem Problem der fehlenden Daten entgegenwirken?

Es gibt durchaus Optionen. Mehr Radiosonden und Wetterballone wären eher klassische Möglichkeiten. Doch auch Wetterdrohnen könnten helfen, die Situation rund um Turbulenz und Dynamik oder Feuchtigkeit in der Grundschicht von ein bis zwei Kilometern Höhe zu verbessern.

Quelle: ntv.de