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Teils ergiebige Neuschneemengen"Wie schlimm wird Tief 'Elli' wirklich?"

08.01.2026, 15:26 Uhr
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Lokal sind auch im Flachland bis zu 15 Zentimeter Neuschnee möglich. (Foto: picture alliance/dpa)

Gefühlt starrt Deutschland gebannt auf den Himmel. Tief "Elli" verspricht lokal heftige Schneefälle, Orkanböen und Blitzeis. Im Rücken der Wetterkapriolen sieht es derzeit nur nach einer kurzen Beruhigung aus.

ntv.de: Mit Tief "Elli" naht jetzt bereits das nächste Wintertief. Wie schlimm wird es?

Björn Alexander: Deutschland steht vor einer intensiven, teils auch sehr gefährlichen Wetterentwicklung mit erhöhtem Unwetterpotenzial.

Was bedeutet das?

Das sind einerseits zum Teil ergiebige Neuschneemengen mit der Gefahr von Schneeverwehungen durch den mitunter starken bis stürmischen Wind. Auch die Gefahr von Wind- und Schneebruch ist damit deutlich erhöht. Andererseits mischt sich aber auch mildere Luft mit unter, so dass auch gefrierender Regen und Glatteis zu erwarten ist.

Wann geht es los?

Nachdem letzte Schneeschauer, wie am Vormittag beispielsweise über Hamburg abgezogen sind, herrscht erst einmal etwas Beruhigung, bevor von den Britischen Inseln und über Westeuropa "Elli" zu uns zieht. International hat es den Namen "Goretti" bekommen, da es auch in unseren Nachbarländern sehr wetterwirksam ist. Beispielsweise drohen über dem Ärmelkanal volle Orkanböen, bevor das Tief dann am Freitagmittag mit seinem Kern über Frankreich und Benelux nach NRW ziehen wird.

Und danach?

Verlagert sich das Tief mit seinem Zentrum ostwärts über Deutschland hinweg. Auf der Nordseite hält sich dabei die kalte Kluft polaren Ursprungs, während in den Süden vorübergehend mildere Luft einfließt. Das Ganze spiegelt sich dann auch bei den Temperaturen wider. So werden es am Freitag bei westlichen Winden am Oberrhein Spitzenwerte bis knapp zehn Grad Celsius mit Tauwetter bis in die mittleren Lagen. Im Nordosten bläst derweil der Oststurm mit gemessenen Werten von teils nicht mehr als minus fünf Grad. Durch den eiskalten Wind fühlt sich das aber eher wie minus 10 bis minus 15 Grad an.

Welche Wettergefahren beinhalten diese enormen Gegensätze?

Im Laufe des Abends bildet sich von Bayern über Hessen bis ins Rothaargebirge eine Zone mit kräftigem Schneefall. Und dieser Streifen arbeitet sich am Freitag immer weiter voran und erstreckt sich morgens bis nach Sachsen und Niedersachsen rüber. Mittags sind dann die Regionen von Hamburg nach Berlin betroffen. Die Neuschneemengen können dabei teilweise bei 10 bis 15 Zentimeter, möglicherweise auch darüber liegen. Zeitgleich weht ein starker bis stürmischer Wind mit der Gefahr von zum Teil massiven Schneeverwehungen.

Worauf müssen sich die Menschen südlich des Schneefallgebietes einstellen?

Hier fallen Regen oder Nieselregen und überall dort, wo die Böden noch gefroren sind, droht gefrierender Regen oder das sogenannte Blitzeis - auch hier kann es stellenweise unwetterartig werden! Gleichzeitig klopft auf der Rückseite von "Elli", also im Westen unseres Landes, erneut die Kaltluft an, so dass die Schneefallgrenze erst gegen 400 Meter, anschließend dann auch wieder bis ganz heruntersinkt.

Wie könnte eine Gesamteinschätzung der Lage aussehen?

Es wird nicht alle Landesteile gleichermaßen heftig erwischen und vor allem im Westen und Südwesten schützt die Milderung in den tieferen Lagen wahrscheinlich vor einer massiven Glättelage. Aber andernorts müssen wir uns leider auf massive Probleme auf den Straßen und Schienen sowie teils auf Blitzeis einstellen. Auch in den Wäldern besteht in den betroffenen Regionen Gefahr für Leib- und Leben durch Wind- und Schneebruch.

Wo wird der Wind am stärksten wehen?

An der Küsten drohen schwere Sturm- bis orkanartige Böen bis über Tempo 100. Auch im Südwesten sind auf den Bergen teilweise schwere Sturm-, im Hochschwarzwald auch Orkanböen möglich.

Wie geht es am Samstag weiter?

Die Kälte hält auch in den Südwesthälfte wieder Einzug und bereits am Freitag und der Nacht zum Samstag gehen die Regenschauer wieder bis ins Flachland in Schnee über. In Staulagen sind erneut 10 bis 20 Zentimeter oder auch mehr zu erwarten. Erneut müssen wir uns auf Verwehungen einstellen, bevor es von Norden her ruhiger und trockener wird, so dass am Sonntag nur noch an den Alpen Schnee fällt.

Bei welchen Temperaturen?

In der zurück schwappenden Polarluft wird es abermals bitterkalt. Am Sonntag erreichen die Werte höchstens noch minus neun bis null Grad und nachts geht es unter Aufklarungen und über Schnee gebietsweise auf um oder unter minus zehn Grad zurück.

Und nächste Woche: ruhiges Winterwetter oder neue Wetterkapriolen?

Die Ruhe währt voraussichtlich nur kurz. Bereits am Montag spekulieren einige Wettercomputer auf ein neues Tief, das aus Westen für Schnee, Regen und Glätte sorgen dürfte.

Quelle: ntv.de

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