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400 Passagiere stecken fest Zugführer twittert ICE-"Desaster"

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Die ICE-Züge fahren auf der Strecke Köln-Frankfurt normalerweise über 300 km/h.

(Foto: dpa)

Die ICE-Fahrt von Frankfurt nach Köln dauert normalerweise eine gute Stunde. Ostermontag sind 400 Reisende mehr als fünfmal so lange unterwegs, weil ihr Zug in einem Tunnel feststeckt. Schuld ist vermutlich ein Vogel. Kritik an der Bahn kommt nicht nur von den üblichen Verdächtigen. Auch der Zugführer prangert sie öffentlich an.

Wegen eines Vogels haben mehrere Hundert ICE-Reisende stundenlang in einem Tunnel festgesteckt. Der Zug mit rund 400 Passagieren blieb am Ostermontag auf dem Weg von Frankfurt nach Köln in der Röhre bei Niedernhausen nördlich von Wiesbaden liegen. Ein Vogel war gegen den Stromabnehmer geprallt und hatte einen Kurzschluss ausgelöst, wie die Deutsche Bahn berichtet. Die Reisenden mussten sich rund vier Stunden gedulden, bis sie in einen Ersatzzug umsteigen konnten. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte das Pannenmanagement der Bahn als "peinlich".

Das tote Tier sei auf dem Zug gefunden worden, Oberleitung und Stromabnehmer seien beschädigt gewesen, so die Bahn. Verletzt wurde niemand. Der Vorfall habe sich am Nordportal des 2765 Meter langen Niedernhausener Tunnels ereignet. Die Fahrgäste seien schließlich in einen Ersatzzug gestiegen, der auf dem Gleis neben dem liegengebliebenen ICE hielt. Über Verbindungsstege zwischen den Türen beider Züge seien die Passagiere umgestiegen.

Lokführer twittert live

Der ICE war kurz nach 20 Uhr in Frankfurt losgefahren. Erst nach Mitternacht wurden die Passagiere abgeholt und konnten ihre Fahrt nach Köln um 1.16 Uhr fortsetzen. Der liegengebliebene ICE wurde abgeschleppt.

Der Zugführer meldete sich während des Stillstandes auf Twitter: "Ein Knall, ein Lichtbogen und schon steht der ICE528", schrieb er. Am nächsten Tag kritisierte er scharf das Krisenmanagement der Bahn. Das Vorgehen sei ein "Desaster" gewesen. Zynisch äußerte er sich über die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt: "Die anderen Störungen an dieser Krone deutscher Hochtechnologie möchte ich lieber nicht aufzählen."

Berichte, während der Wartezeit sei der Notstrom des Zuges knapp geworden und die Passagiere hätten im Dunkeln gesessen, wies ein Bahnsprecher zurück. "Die Notstromversorgung hat bis zum Schluss funktioniert." Alle Wagen seien beleuchtet gewesen. Den betroffenen Fahrgästen stehe die Rückerstattung von 50 Prozent des Fahrpreises zu. Darüber hinaus werde es aus Kulanz zusätzliche Leistungen geben – welche, wollte der Bahnsprecher aber nicht sagen.

Neun ICE werden umgeleitet

Dass die Fahrgaste vier Stunden in einem Tunnel festsaßen, sei nicht hinnehmbar, sagte der Pro Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann. "So etwas darf nicht passieren." Es diene nicht der Vertrauensbildung, wenn eine solche Aktion mehrere Stunden dauere. Die Strecke Frankfurt-Köln sei nicht abgelegen, und der betroffene Tunnel wäre von Frankfurt aus in einer halben Stunde zu erreichen gewesen.

Die Strecke zwischen Frankfurt und Köln war wegen der Reparaturarbeiten an der Oberleitung zeitweise nur eingleisig befahrbar. Neun ICE wurden über die linksrheinische Strecke umgeleitet. Es kam auch am Dienstag noch zu Verspätungen.

Zunächst war von rund 450 betroffenen Passagieren die Rede gewesen. Die Bahn sprach jedoch von rund 400 Reisenden.

Quelle: n-tv.de, che/dpa

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