Nazi-Zeit25 Prozent sehen "gute Seiten"
Die NS-Zeit hatte nach Meinung von jedem vierten Bundesbürger auch ihre guten Seiten. Das ergab eine Umfrage. Und wieder ist die Rede von "Autobahnen" und "Familienpolitik".
Jeder vierte Bundesbürger ist der Meinung, dass der Nationalsozialismus auch gute Seiten hatte. In einer Umfrage des Forsa-Instituts für das Magazin "stern" vertraten 25 Prozent der Befragten die Ansicht, dass unter den Nazis nicht alles schlecht gewesen sei. 70 Prozent der Bundesbürger waren der Meinung, dass die NS-Diktatur keinerlei gute Seiten hatte. 5 Prozent antworteten mit "weiß nicht". Als positive Beispiele wurden etwa der Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie genannt.
Auf beides hatte zuletzt auch die umstrittene Ex- Fernsehmoderatorin Eva Herman angespielt. Allerdings weisen Historiker darauf hin, dass das Autobahnnetz schon in den 20er Jahren geplant wurde und der Bau - anders als von den Nazis behauptet - kaum zum Abbau der Massenarbeitslosigkeit beitrug. Zudem wurde er mit Versicherungsgeldern der Arbeitnehmer bezahlt.
Die NS-Familienpolitik wiederum stand nach Ansicht von Forschern allein im Dienst einer rassistischen Bevölkerungspolitik zur Mehrung der "arischen Rasse". Geburten wurden zwar finanziell gefördert, Ehen mit "Nicht-Ariern" aber verboten und als "minderwertig" eingestufte Frauen zwangssterilisiert. Der Erfolg der Fördermaßnahmen wird als gering eingestuft.
Nach der Umfrage nimmt mit steigendem Alter die Annahme vermeintlich positiver Seiten des Nationalsozialismus zu: Bei den über 60-Jährigen lag sie bei 37 Prozent. Bei den 45- bis 59-Jährigen gab es mit 15 Prozent die geringste Zustimmung. Unter den Jüngeren vertrat rund jeder Fünfte die Auffassung, die Hitler-Diktatur habe auch positive Aspekte gehabt.
Für die repräsentative Studie wurden mehr als tausend Bundesbürger befragt. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei 3 Prozentpunkten.