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Trotz DNA-Spuren an Kleidung Akte Barschel bleibt geschlossen

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Am 11. Oktober 1987 fand ein Reporter den früheren Ministerpräsidenten Barschel tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage".

(Foto: dapd)

Seit 25 Jahren rätseln Ermittler: Beging der CDU-Politiker Barschel Selbstmord oder wurde er ermordet? Eine DNA-Spur nährt nun wieder neue Verschwörungstheorien. Die Anklagebehörde in Lübeck allerdings wiegelt ab: Der Fall werde nicht wieder aufgerollt, das DNA-Gutachten sei "nicht sensationell".

Nach dem Fund von DNA-Spuren an Kleidungsstücken des vor 25 Jahren unter mysteriösen Umständen in Genf ums Leben gekommenen CDU-Politikers Uwe Barschel sieht die Staatanwaltschaft keine Ansatz für neue Ermittlungen. Die vor Jahren abgeschlossenen Untersuchungen würden nicht wieder aufgenommen, sagte der Sprecher der zuständigen Anklagebehörde in Lübeck, Ralf Peter Anders.

Es gebe keine erfolgversprechenden Ansätze für eventuelle weitere Ermittlungen. Das DNA-Gutachten zu den Spuren sei aus seiner Sicht mit Blick auf neue etwaige Ansätze "nicht sensationell".

Der Sprecher bestätigte zugleich Berichte von "Welt am Sonntag" und "Welt", wonach Experten des schleswig-holsteinischen Landeskriminalamts an Kleidungsstücken Barschels Abdruck erhärtet Mord-Theorie fanden. Sie fanden sich an einer Strickjacke, Socken, einer Krawatte sowie an einem Handtuch aus dem Genfer Hotelzimmer, in dem der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident im Oktober 1987 tot aufgefunden worden war. Die Asservate des Falls werden bis heute aufgewahrt.

"Mischspuren" nicht aussagekräftig

Nach Angaben von Anders handelt es sich um "Mischspuren" aus der DNA von Barschel und mindestens einem anderen. Seinen Angaben nach geht aus dem Gutachten nicht zwingend hervor, dass die zweite Spur auf allen Textilien von einem Menschen stammt, es kämen möglicherweise auch mehrere DNA-Träger in Frage. In jedem Fall sei der Zustand der gefundenen DNA-Spuren so schlecht, dass sie nicht mit der Gen-Datei des Bundeskriminalamts (BKA) abgeglichen werden könnten, betonte Anders. Dort werden DNA-Profile von Straftätern gespeichert.

Für eine ebenfalls denkbare DNA-Reihenuntersuchung müsste es zumindest eine genauer definierbare Gruppe möglicher Verdächtiger geben, was ebenfalls nicht der Fall sei, ergänzte der Sprecher. Alle möglichen Theorien seien "derart abstrakt", dass kein Richter dem Antrag auf eine solche Untersuchung stattgeben werde. Deshalb sehe die Staatsanwaltschaft keine Ansatzpunkte für neue Ermittlungen.

Mord oder Suizid?

Barschels Tod bewegt seit langem die Gemüter. Die Staatsanwaltschaft in Lübeck hatte den Fall nach Abschluss der Schweizer Ermittlungen übernommen und war 1998 in einem offiziellen Bericht zu dem Ergebnis gekommen, dass er durch Selbstmord starb. Barschel hatte verschiedene Medikamente im Blut. Die These blieb aber umstritten. Vor allem der damals zuständige Ermittler der Lübecker Staatsanwaltschaft, Heinrich Wille, hält den Fall für einen Mord und propagiert diese Ansicht seit Jahren in Büchern und über die deutschen Medien.

Die "Süddeutsche Zeitung" verwies darauf, dass die neuen Spuren die These eines möglichen Falls von Sterbehilfe bekräftigen könnten. Unter anderem entspreche der Medikamentencocktail in Barschels Körper auffallend entsprechenden Anleitungen von Sterbehilfeorganisationen, hieß es in einem Bericht. Die DNA-Spuren könnten von einem Helfer stammen, der Barschel bei einem Selbstmord half.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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