Politik

Ein Preis für Trump-Beraterin "Alternative Fakten" ist Unwort des Jahres

02ec1f2c712b7be4dd7dde13fdcdce94.jpg

Kellyanne Conway taucht mittlerweile nicht mehr so häufig als Trump-Erklärerin auf.

(Foto: AP)

Die Präsidentschaft von Donald Trump begann nicht mit einer Lüge, sondern mit "alternativen Fakten". Immerhin: In Deutschland schafft dieser Begriff es zum Unwort des Jahres.

"Alternative Fakten" lautet das Unwort des Jahres 2017. Die Bezeichnung sei "der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen", erklärte die Jury in Darmstadt. Sprachwissenschaftler küren seit 1991 das Unwort des Jahres.

Zwar sei der Ausdruck "nur aus dem US-amerikanischen Kontext und dort nur aus einem einzelnen Redebeitrag belegt", so die Jury. Aber der Ausdruck sei seitdem auch in Deutschland zum "Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden". Der Begriff stehe "für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie 'alternative Fakten' als legitim gekennzeichnet werden".

Eine Beraterin von US-Präsident Donald Trump, Kellyanne Conway, hatte nach dessen Inauguration vor einem Jahr von "alternativen Fakten" gesprochen. Mit dieser Wortschöpfung, für die andere Menschen das Wort "Lüge" benutzen würden, verteidigte sie eine falsche Behauptung des damaligen Präsidentensprechers Sean Spicer. Dieser hatte die Zuschauermenge bei Trumps Vereidigung am 20. Januar 2017 die größte in der US-Geschichte genannt. Wenig später präsentierte Conway selbst "alternative Fakten", als sie vom "Massaker von Bowling Green" sprach, über das nie jemand berichtet habe. Dass der Mantel des Schweigens über diesem Massaker lag, hing vor allem mit einem Fakt zusammen: Das Attentat hatte es nie gegeben.

Der von Conway geprägte Begriff wird seither vor allem spöttisch oder kritisch benutzt - wenn Verdrehungen der Wahrheit gebrandmarkt werden sollen.

Ebenfalls als Unwörter kritisiert wurden von der Jury die Ausdrücke "Shuttle-Service" und "Genderwahn", beides Begriffe, die zur Diffamierung eingesetzt werden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer hatte im Sommer gesagt, die Seenotrettungseinsätze von NGOs im Mittelmeer seien faktisch ein "Shuttle-Service zum italienischen Festland". Der Ausdruck stehe "stellvertretend für Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, die Grenzen des Sagbaren in eine menschenverachtende, polemisch-zynische Richtung zu verschieben", so die Jury. "Genderwahn" ist ein in der AfD beliebter Begriff, mit dem zum Beispiel das Bemühen um geschlechtergerechte Sprache herabgesetzt werden soll.

Quelle: ntv.de, hvo