Politik
Dienstag, 26. Juli 2011

Oettinger sieht Grenzen der Photovoltaik: Amano: Atomenergie hat Zukunft

Fukushima zum Trotz glaubt IAEA-Chef Amano an eine zunehmende Produktion von Atomstrom. Viele Länder seien überzeugt, damit auch das Problem des Klimawandels zu bewältigen, sagt er. Derweil sieht EU-Energiekommissar Oettinger Deutschland an die Grenzen der Sonnenenergie stoßen: "Wir sind kein Sonnenland."

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, rechnet trotz des Atomunfalls im japanischen Fukushima mit einer zunehmenden Atomstromproduktion weltweit. "Es ist sicher, dass die Zahl der Atomreaktoren weiter steigen wird, wenn auch nicht so schnell wie zuvor", sagte Amano bei einem Treffen mit Japans Ministerpräsident Naoto Kan in Tokio. Kan hatte sich zuvor für einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie in Japan ausgesprochen, wo das Erdbebenrisiko sehr hoch ist.

Amano besucht Fukushima - aber nur im Schutzanzug.
Amano besucht Fukushima - aber nur im Schutzanzug.(Foto: Reuters)

"Einige Länder, darunter Deutschland, haben ihre Atompolitik überdacht, aber viele andere sind überzeugt, dass sie auf Atomkraftwerke angewiesen sind", insbesondere im Kampf gegen den Klimawandel, sagte Amano. Deshalb komme es vor allem darauf an, die Sicherheit der Atomanlagen zu gewährleisten.

Nachdem der IAEA-Chef am Montag das von Erdbeben und Tsunami vom 11. März schwer beschädigte IAEA-Chef besucht Fukushima , sicherte er Japan die Unterstützung seiner Behörde im Umgang mit dem Unfall zu. Vier der sechs Reaktoren wurden durch die Naturkatastrophe schwer beschädigt, was den schlimmsten Atomunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren zur Folge hatte. Aus Sicherheitsgründen sind 36 der 54 japanischen Reaktoren derzeit heruntergefahren. Kan ordnete einen Stresstest für die Anlagen an, bevor diese wieder in Betrieb genommen werden sollen.

Keine Orangenhaine in Deutschland

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EU-Energiekommissar Günther Oettinger sieht unterdessen in Deutschland keine große Zukunft für die Solarenergie. "In Deutschland stößt Photovoltaik an seine Grenzen. , wo die Bauern auf einmal Orangenplantagen betreiben können", sagte Oettinger der "Passauer Neuen Presse". Photovoltaik könne hierzulande nie eine große und kostengünstige Stromquelle sein.

Gleichzeitig sprach sich der EU-Kommissar dafür aus, die Förderung der erneuerbaren Energien zunehmend europäisch zu koordinieren. So seien etwa in den nächsten Tagen Gespräche geplant, um im Zuge der Griechenlandhilfe zu überlegen, die Photovoltaik in Griechenland zu fördern. Den deutschen Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 nannte Oettinger "ehrgeizig, aber machbar".

Oettinger riet davon ab, bei der Förderung erneuerbarer Energien nach Autarkie auf Ebene der Bundesländer zu streben. Bayern etwa habe ein "hohes Innovationspotenzial" und könne die Energiewende umsetzen. Die besten Standorte für Wind und Sonne lägen aber nicht unbedingt im deutschen Süden, sondern oftmals in der Nordsee oder in südeuropäischen Ländern, "wo die Kosteneffizienz und der Nutzungsgrad deutlich besser sind".

Grüne: Sonnenenergie wird billig

Die Grünen kritisierten, Oettinger verkenne die Chancen der heimischen Sonnenstromproduktion. "Photovoltaik wird künftig neben Windkraft den Hauptanteil der Stromversorgung liefern - in Deutschland genauso wie in Griechenland", sagte der Grünen-Energieexperte Hans-Josef Fell in Berlin.

Anders als von Oettinger behauptet, werde Sonnenenergie mit zu den billigsten Stromquellen gehören, da nach 20 Jahren abgeschriebene Solarstromanlagen auf Kosten von 0,5 bis 1 Cent pro Kilowattstunde kämen. Abgeschriebene Kohle- und Atomkraftwerke produzierten den Strom fünf bis zehnmal teurer. Auch sei vor Ort gewonnener deutscher Solarstrom sinnvoller, weil griechischer Solarstrom erst über teure Leitungen importiert werden müsste, erklärte Fell.

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Quelle: n-tv.de