Wo ist Edward Snowden?Amerikas Staatsfeind macht sich unsichtbar
Edward Snowden erstaunt das zweite Mal binnen weniger Wochen die Welt: Erst enthüllte er die umfassende Datenüberwachung der US-Amerikaner und der Briten. Nun macht er sich unsichtbar. Ist er noch in Moskau oder schon längst weg? Derweil verrät eine chinesische Zeitung Details, wie Snowden an die Staatsgeheimnisse der USA kam.
Der Enthüller der Abhörprogramme Prism und Tempora, Edward Snowden, ist wie vom Erdboden verschluckt. Nach seiner Flucht von Hongkong nach Moskau verliert sich seine Spur in der russischen Hauptstadt. Bekannt ist nur, dass Snowden Asyl in Ecuador suchen will. Doch eine geplante Reise von Moskau über die kubanische Hauptstadt Havanna nach Ecuador trat er nicht an - sein Sitz im Flieger blieb leer.
Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, sagte der britischen Zeitung "Guardian" lediglich: "Mr. Snowden und Ms. Harrison sind beide gesund und sicher." Harrison ist eine Journalistin, die Snowden begleitet. Wikileaks unterstützt Snowden beim Untertauchen - Assange bekam selbst von Ecuador politisches Asyl.
Im Zuge der Affäre wird ein großes Misstrauen zwischen den USA und Russland deutlich. Das Weiße Haus forderte die Russen zur Auslieferung des 30-Jährigen auf. US-Außenminister John Kerry warnte China und Russland am Montag vor "Konsequenzen". Regierungssprecher Jay Carney sagte, man erwarte, dass Russland alle vorhandenen Optionen betrachtet, um Snowden in die Vereinigten Staaten auszuweisen". Die USA betrachten Snowden als einen Verbrecher, der sich des Geheimnisverrats schuldig gemacht hat. Für eine Festnahme Snowdens sieht Russland jedoch keinen Grund.
Snowden schleuste sich bewusst ein
Auf seiner Flucht vor der US-Justiz bekommt "Whistleblower" Snowden inzwischen aber auch Unterstützung aus der Bevölkerung. Mehr als 100.000 Menschen hatten bis zum Montag auf der Internetseite des Weißen Hauses eine Petition unterstützt, die eine sofortige und vollständige Straffreiheit für den "Nationalhelden" fordert.
Snowden hat seine Enthüllungen über die Spionage der USA sauber durchgeplant. Dies berichtet die Zeitung "South China Morning Post" aus Hongkong, die den Techniker bereits vor einigen Tagen interviewen konnte. Snowden hat sich nach eigenen Angaben von vornherein ins Umfeld des US-Geheimdienstes eingeschleust, um dessen Schnüffeleien im Internet aufzudecken. Allein aus diesem Grund habe er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen, die im Auftrag des US-Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war. Seine Arbeit habe ihm Zugang zu Listen mit gehackten Computern in der ganzen Welt verschafft.
