Politik

Es kann noch schlimmer kommen Auch Plutonium in der Asse

Neben dem Abfall aus dem Betrieb von Atomkraftwerken sollen 28 Kilogramm hochgiftiges Plutonium sowie Arsen, Blei, Pflanzenschutzmittel und sogar Tierkadaver in der maroden Asse stecken. Das Bundesamt für Strahlenschutz schließt nicht aus, dass nach Öffnung der Kammern neu über den Umgang mit dem Atommüll entschieden werden muss.

2opq0441.jpg5307823130922573972.jpg

Mit einer Filmanimation verdeutlicht BfS-Präsident König das Rückholungskonzept der Asse.

(Foto: dpa)

In einem weltweit einmaligen Verfahren sollen 126.000 Fässer aus dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse herausgeholt werden. Ein Projekt dieser Dimension habe es noch nicht gegeben, berichtete das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Hannover. Die Behörde hatte drei Wege zur endgültigen Stilllegung des Atommülllagers bei Wolfenbüttel (Niedersachsen) geprüft. Der Rücktransport der Abfälle sei "die beste Variante", sagte BfS-Präsident Wolfram König. Die Entscheidung wurde von Bürgerinitiativen und Umweltschützern überwiegend positiv aufgenommen.

Die Bergung solle möglichst schnell beginnen. "Wir sind gefordert, sofort loszulegen", so König. Die Zeit für die Stilllegung drängt, da die Standsicherheit der Grube nach einem Gutachten nur noch bis zum Jahr 2020 gegeben ist. Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nannte die Bergung die bevorzugte Variante. Der Zustand von Fässern und Schacht müsse dies aber erlauben. Der ehemalige Umweltminister und jetzige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel verlangte, die milliardenschweren Kosten der Rückholung der Atomindustrie in Rechnung zu stellen.

Keine Variante "optimal"

Das BfS als Betreiber der Schachtanlage hatte als Schließungsoptionen für die Asse auch die Füllung des Bergwerks mit Beton und einer Magnesiumchloridlösung sowie die Umlagerung der Fässer auf tiefere Schichten geprüft. Bei diesen Varianten sei aber nicht garantiert, dass langfristig keine Radioaktivität freigesetzt werde, sagte der BfS-Chef. "Keine der drei Varianten ist optimal, alle bergen Unsicherheiten", sagte König.

Auch Plutonium gelagert

2opk1219.jpg4598990246738351200.jpg

Behälter mit Cäsium-137 kontaminierter Flüssigkeit auf der 750 Meter-Sohle vor der Kammer 12.

(Foto: dpa)

Zunächst sollen nun einige Lagerkammern geöffnet sowie Zustand und Inhalt von rund 1000 bis 3000 der dort gelagerten Fässer untersucht werden. "Wir können derzeit nicht genau bestimmen, welche Abfälle in welchen Mengen in der Asse liegen", sagte König. Neben dem Müll aus dem Betrieb von Atomkraftwerken sollen in dem Bergwerk auch 28 Kilogramm hochgiftiges Plutonium sowie Arsen, Blei, Pflanzenschutzmittel und sogar Tierkadaver lagern. Mit Betonbarrieren und der Verfüllung von Hohlräumen soll das Bergwerk, in das täglich 12.000 Liter Wasser unbekannter Herkunft eindringen, auch stabilisiert werden.

Es kann noch schlimmer kommen

2opk2146.jpg752794951950322865.jpg

Ein Mitarbeiter der Asse liest in der Schachtanlage vor der Kammer 12 ein Messgerät auf Kontamination ab.

(Foto: dpa)

Die zunächst anstehenden Untersuchungen in einigen Kammern der Schachtanlage könnten den Weg der Bergung noch verbauen. Auch  dem Umweltministerium zufolge steht eine endgültige Entscheidung über die Rückholung noch aus. König schloss nicht aus, dass nach Öffnung der Kammern neu über den Umgang mit dem Atommüll entschieden werden müsse: "Das kann sich alles noch viel schlechter darstellen, als wir derzeit vermuten."  Wenn der Zustand der Abfälle deutlich schlechter sei als erwartet, will das BfS die "Präferenz der Rückholung neu bewerten". "Wir werden immer wieder prüfen: Sind wir auf dem richtigen Weg?", sagte der Behördenchef.

DEU_Atom_Asse_Untersuchungsausschuss_FRA134.jpg3549390125901689456.jpg

In der Kammer 7 der Schachtanlage Asse werden 8000 Fässer schwach radioaktiven Abfalls gelagert.

(Foto: AP)

Bundesumweltminister Röttgen betonte in der "Braunschweiger Zeitung", die Öffnung der Kammern sei auch der Wunsch der Betroffenen vor Ort. Um die Risiken zu minimieren, müssten alle verfügbaren Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Die teils stark zerdrückten Fässer sollen nach den Planungen mit Hilfe von ferngesteuerten Geräten herausgeholt werden. Die Strahlenbelastung für die Mitarbeiter bleibe weit niedriger als der Grenzwert für eine medizinische Computertomografie-Aufnahme, versicherte König.

Zehn Jahre und zwei Milliarden Euro

Die geborgenen Fässer sollen zunächst vor Ort über Tage zwischengelagert werden. Später könnte der Müll dann in den Schacht Konrad in Salzgitter gebracht werden. Möglicherweise reiche dort die Kapazität nicht aus, gab König jedoch zu bedenken. Das ehemalige Eisenerzbergwerk ist als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle genehmigt und soll 2013 in Betrieb gehen. Für die gesamte Rückholung veranschlagt das BfS rund zehn Jahre und rechnet mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro.

Gabriel: Stromkonzerne sollen zahlen

Röttgens Vorgänger Gabriel kritisierte, die Asse habe ausschließlich den Interessen der Atomindustrie gedient. Diese habe durch eine skandalöse Atommüllentsorgung Milliardengewinne gescheffelt. Deshalb müssten die Stromkonzern jetzt auch die Sanierungskosten für den Schacht zahlen.

Gespräche über Atomlaufzeiten

roettgen.jpg

Über Röttgens Gespräche mit den EVU ist Stillschweigen vereinbart worden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Unterdessen führte Röttgen erste Gespräche mit den Energieversorgern (EVU) über die von der Regierung geplante Verlängerung der Atomlaufzeiten. "Erste Gespräche zwischen dem Minister und den Vorsitzenden der einzelnen EVU haben Anfang Januar begonnen", sagte Röttgens Sprecherin der "Financial Times Deutschland". Über die Inhalte sei Stillschweigen vereinbart worden. Im Laufe des Monats kommen Energiekonzerne und Bundesregierung zu offiziellen Gesprächen zusammen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

Mehr zum Thema