Politik

Proteste gegen Polizeigewalt Auch in Frankreich brodelt es

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Die französische Polizei muss sich immer wieder für ihr hartes Durchgreifen verantworten (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa)

Die französische Polizei muss sich immer wieder Vorwürfe gefallen lassen, bei ihren Einsätzen unverhältnismäßig brutal vorzugehen: Gleich zwei Fälle von tödlicher Polizeigewalt erinnern an den Erstickungstod von George Floyd in den USA. Aus Angst vor ähnlichen Unruhen verbietet die Polizei nun Proteste.

Nicht nur in den USA sind die Menschen empört über brutale Polizeigewalt, auch in Frankreich steigt die Wut über Fälle im eigenen Land. Eine Kundgebung, die an den Tod eines 24-jährigen Schwarzen in Polizeigewahrsam erinnern sollte, wurde am Dienstag von der Pariser Polizeipräfektur untersagt. Zugleich wies Polizeipräfekt Didier Lallement "Vorwürfe von Gewalt und Rassismus" entschieden zurück.

Die Polizei begründete das Verbot der Kundgebung vor einem Pariser Gericht mit drohenden Ausschreitungen. Der 24-jährige Adama Traoré war 2016 nördlich von Paris gestorben, nachdem er sich der Festnahme seines Bruders widersetzt hatte. Eine Schuld der Polizei an seinem Tod ließ sich offiziell nicht nachweisen.

Gleich zwei Floyd-Fälle innerhalb eines Jahres

Am Montagabend hatten sich in der Pariser Vorstadt Bondy rund Hundert Menschen versammelt und "ein Ende der Gewalt" skandiert. Zuvor war ein 14-Jähriger, der ein Mofa stehlen wollte, bei einem Polizeieinsatz schwer am Auge verletzt worden. Fußball-Nationalspieler und Weltmeister Kylian Mbappé forderte auf Instagram "Gerechtigkeit" für den Jugendlichen.

An den Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA erinnern zwei weitere französische Fälle aus diesem Jahr: Präsident Emmanuel Macron hatte erst im Januar Konsequenzen gefordert, nachdem ein 42-jähriger Lieferfahrer nach einer Polizeikontrolle am Pariser Eiffelturm erstickt war. Die Polizisten drückten den Familienvater bäuchlings auf den Boden, er erlitt dadurch einen Kehlkopfbruch.

In der südfranzösischen Stadt Béziers starb zudem im April ein 33-Jähriger nach der Fahrt auf eine Polizeiwache. Auch er wurde mit dem Gesicht nach unten fixiert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert bereits seit Jahren, solche "tödlichen" Methoden bei der französischen Polizei zu verbieten. Auch während der "Gelbwesten"-Proteste gab es massive Klagen über Polizeigewalt, juristische Konsequenzen hatte dies nur in den seltensten Fällen.

Quelle: ntv.de, jve/AFP