Politik

Blutiger Tag für die Bundeswehr Aufständische erschießen Elite-Soldaten

Im Norden Afghanistans haben Kämpfer einen Soldaten der Bundeswehr getötet. Er gehörte der Elite-Einheit KSK an. Ein weiterer Deutscher wird verwundet. Außenminister Westerwelle spricht von einem Rückschlag - derweil werden erneut zwei Hubschrauber beschossen.

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Der Einsatz am Hindukusch ist gefährlich - schon 53 Bundeswehrsoldaten starben.

(Foto: dpa)

Ein furchtbarer Zwischenfall verdeutlicht erneut die Gefährlichkeit des Afghanistan-Einsatzes: Erstmals seit fast zwei Jahren ist dort ein deutscher Soldat getötet worden. Das gab die Bundeswehr bekannt. Der Elite-Soldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) wurde am Samstag bei einem Angriff Aufständischer in Nordafghanistan erschossen. Ein Kamerad wurde verwundet.

"Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht. Sie erschüttert uns alle", sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière. "Ich bin unendlich traurig." Auch Kanzlerin Angela Merkel drückte ihre tiefe Anteilnahme aus. Der Afghanistan-Einsatz kostete mittlerweile 53 Bundeswehr-Soldaten das Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen.

Das KSK

Das Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, ist eine Spezialeinheit der Bundeswehr. Über ihre Einsätze ist wenig bekannt, viele Missionen bleiben geheim. Bekannt ist, dass im Training bereits mehrere Soldaten der Elite-Truppe umkamen. Ihren Hauptsitz hat die 1996 in Dienst gestellte Truppe im baden-württembergischen Calw.

Internetseite des KSK

Gegen 11.43 Uhr deutscher Zeit begleiteten deutsche Spezialkräfte eine afghanische Operation. Sie waren nördlich des Außenpostens OP North in der Provinz Baghlan unterwegs. Aufständische eröffneten plötzlich das Feuer auf die Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf und die Afghanen, wie die Bundeswehr mitteilte. Kurz darauf gerieten sie erneut unter Beschuss - dabei fielen die tödlichen Schüssen.

Erstmals fällt ein KSK-Soldat

Zuletzt war vor fast zwei Jahren - am 2. Juni 2011 - ein Bundeswehr-Soldat in Afghanistan gefallen. Den bislang letzten Verwundeten hatte die Bundeswehr im Februar beim Sturm auf ein Versteck Aufständischer bei Kundus-Stadt zu beklagen. Der nun getötete Soldat war ein Angehöriger der Elite-Einheit KSK. Noch nie fiel ein Soldat dieser Truppe in Afghanistan, sagte de Maizière.

Der FDP-Parteitag gedachte mit einer Schweigeminute des getöteten Soldaten. Auf Bitte von Parteichef Philipp Rösler erhoben sich die Delegierten. Der Vizekanzler sagte: "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und bei der Familie, bei den Freunden und bei seinen Kameraden."

Angreifer beschießen Bundeswehr-Hubschrauber

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Verteidigungsminister de Maizière ist bestürzt.

(Foto: dpa)

Ebenfalls am Samstag wurden in Afghanistan sieben US-Soldaten getötet. Fünf davon starben bei einem Sprengstoffanschlag im Süden des Landes. Im Westen erschoss ein afghanischer Soldat zwei amerikanische Kameraden. Der Samstag war damit der verlustreichste Tag für die Isaf seit Jahresbeginn.

Die Gewalt in Afghanistan hat wieder zugenommen. Am vergangenen Sonntag riefen die Taliban den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive aus. Am Donnerstag war erstmals seit längerer Zeit wieder ein Sprengstoffanschlag auf die Bundeswehrtruppen in Nordafghanistan verübt worden, bei dem es aber keine Verletzten gab.

Auch nach der tödlichen Attacke kamen die Soldaten nicht zur Ruhe: In der Nacht zum Sonntag fielen Schüsse auf zwei Bundeswehr-Hubschrauber. Aufständische hätten die Hubschrauber auf dem Flug von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Hauptstadt Kabul mit Flugabwehr- und Handwaffen angegriffen, teilte die Bundeswehr mit. Verletzt wurde niemand.

Die Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan hatten zuletzt kontinuierlich abgenommen. Sie ist seit einiger Zeit dabei, Truppen und Material vom Hindukusch abzuziehen und Feldlager zu schließen. Bis Ende 2014 will die Nato den Kampfeinsatz in Afghanistan beenden. Danach soll sich der Einsatz ausländischer Truppen auf Ausbildung und Beratung der afghanischen Polizei und Armee beschränken. Derzeit sind noch rund 4350 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan im Einsatz.

Außenminister Guido Westerwelle wertete den Tod des deutschen Elite-Soldaten als "schweren Rückschlag für unseren Einsatz in Afghanistan". Dennoch betonte de Maizière der Angriff werde an der Strategie der Bundeswehr nichts ändern. Der Weg bleibt richtig", sagte er. Das gelte auch für die geplante Truppenpräsenz nach dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes 2014.

Die Bundeswehr in Afghanistan

- Am 22. Dezember 2001 beschließt der Bundestag die deutsche Beteiligung an der Internationalen Schutztruppe ISAF. Der damalige Verteidigungsminister Peter Struck sagt: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt."

- Ein Jahr später, am 21. Dezember 2002 kommen bei einem Hubschrauberabsturz sieben Soldaten ums Leben.

- Am 3. September 2009 kommt es zur folgenschwersten Entscheidung: Auf Anordnung von Oberst Georg Klein bombardieren US-Kampfflugzeuge zwei von Taliban entführte Tanklastwagen. Mehr als 100 Menschen werden getötet,  darunter viele Zivilisten.

- Im April 2010 sterben bei Angriffen der Taliban binnen zwei Wochen sieben Bundeswehrsoldaten. 

- Ein halbes Jahr später, im November, stellt der NATO-Gipfel in Lissabon die Weichen für das Ende der Kampfeinsätze: Ende 2014 soll die Sicherheitsverantwortung komplett an die Afghanen übergeben werden, der internationale Einsatz soll sich auf die Unterstützung  und Ausbildung der einheimischen Sicherheitskräfte beschränken.

 

Quelle: n-tv.de, che/jtw/AFP/dpa/rts

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