Politik

Gespräche in Beirut BND-Chef bei der Hisbollah

Nach dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah hat der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, am Freitag in Beirut Gespräche mit Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah geführt. Die beiden hätten die nächste Verhandlungsrunde über den Austausch weiterer Gefangener vorbereitet, hieß es anschließend in einer Erklärung der Hisbollah. Hanning zufolge wurde vereinbart, diese Gespräche bald zu beginnen.

Bei den Feiern zur Heimkehr der libanesischen Häftlinge hatte Nasrallah am Freitag mit der Entführung weiterer israelischer Bürger gedroht, um die Freilassung von noch mehr arabischen Gefangenen aus israelischer Haft zu erpressen. Nasrallah warnte Israel vor einem Angriff. Wer immer Libanon angreife, werde "einen hohen Preis bezahlen".

Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die militanten Organisationen vor weiteren Entführungen gewarnt. Falls dies geschehen sollte, könne Israel militärische Mittel einsetzen, "die es bislang noch nicht verwendet" habe.

Deutschland hatte den Austausch vermittelt und die Gewähr für die Umsetzung der Vereinbarung übernommen, die zwei Schritte vorsieht. Israel hat demnach weitere Entlassungen angeboten, wenn das Schicksal seines Luftwaffensoldaten Ron Arad geklärt ist. Arad wird seit 1986 im Libanon vermisst und gilt in Israel inzwischen als Nationalheld.

Thema des Gesprächs zwischen Hanning und Nasrallah sei auch das Schicksal des Libanesen Samir el Kantar gewesen, hieß es weiter. El Kantar sitzt wegen eines Anschlags im Jahr 1979 in israelischer Haft, bei dem vier Israelis getötet worden waren. Er ist einer der letzten Libanesen, die nach dem am Donnerstag vollzogenen Austausch noch in israelischen Gefängnissen geblieben sind. Israel hatte mehr als 430 Häftlinge im Gegenzug für den entführten Geschäftsmann Elchanan Tannenbaum und die Leichen dreier Soldaten freigelassen. Unter den Gefangenen waren rund 400 Palästinenser und mehr als 20 Libanesen.

Der beim Gefangenenaustausch auf dem Kölner Flughafen auch freigelassene deutsche Islamist Steven Smyrek ist in der Bundesrepublik geblieben. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Gegen ihn laufe kein Verfahren in Deutschland. Er habe seinen Aufenthalt aber so zu gestalten, dass er mit den Gesetzen nicht in Konflikt komme. Außerdem hätten vier aus israelischer Haft entlassene Hisbollah-Mitglieder in Deutschland um Asyl nachgesucht.

Smyrek war 1999 in Israel wegen Planung eines Selbstmordanschlags zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Das Magazin "Focus" hatte berichtet, der zum Islam konvertierte und aus Braunschweig stammende 32-jährige Mann könnte bei der Hisbollah im Verdacht stehen, in israelischer Haft Aussagen über die libanesische Miliz gemacht zu haben.

Quelle: ntv.de

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