Politik

Trumps ehemaliger Chefideologe Bannon denkt über Präsidentschaft nach

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Der zerknitterte Auftritt ist sein Markenzeichen: Steve Bannon im Wahlkampf für Roy Moore.

(Foto: AP)

Er war an Donald Trumps Aufstieg beteiligt, jetzt kann er sich offenbar selbst vorstellen, Präsident zu werden. Denn sein ehemaliger Chef ist ihm zu chaotisch - und viel zu angepasst.

Der ehemalige Chefstratege von US-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, erwägt, 2020 selbst als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Das schreibt die Zeitschrift "Vanity Fair" in einem Porträt über Trumps einstigen Vordenker.

Bannon habe im Oktober einen Berater angerufen und ihm gesagt, er denke über eine Kandidatur nach, wenn der Präsident sich in drei Jahren nicht um die Wiederwahl bewerben sollte. Bislang hat Trump stets deutlich gemacht, dass er dies tun will. Aber zum einen ist er bereits 71 Jahre alt. Und zum anderen sieht Bannon laut "Vanity Fair" nur eine 30-prozentige Chance, dass Trump die laufende Amtsperiode vollständig durchhält. Er hält es offenbar für nicht unwahrscheinlich, dass der Präsident entweder vom Kongress seines Amtes enthoben oder nach dem 25. Zusatzartikel zur US-Verfassung von seinem eigenen Kabinett abgesetzt wird.

Dem Artikel zufolge denkt Bannon, dass Trump in seinem ersten Amtsjahr abgebaut habe. "Er ist wie ein elfjähriges Kind", soll er im November über seinen früheren Boss gewitzelt haben. Den Regierungsstil des Präsidenten hält er für "chaotisch". Außerdem sei Trump im Weißen Haus "viel gemäßigter" geworden.

Der republikanischen Partei hat Bannon offen den Krieg erklärt. In diesem Kampf hat er allerdings zuletzt einen Rückschlag hinnehmen müssen: In Alabama unterlag der von ihm unterstützte Kandidat Roy Moore in einer Senatsnachwahl gegen den Demokraten Doug Jones. Bannon hatte angekündigt, in den republikanischen Vorwahlen zu den Kongresswahlen 2018 Trump-ähnliche - also radikale, auf eine Umwälzung des Systems bedachte - Kandidaten zu unterstützen. Sein Ziel: Leute wie den republikanischen Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, hinwegzufegen. Die Wahl in Alabama legt jedoch die Vermutung nahe, dass erzkonservative und kontroverse Kandidaten es in allgemeinen Wahlen schwer haben.

Bannon wurde im Sommer 2016 Trumps Wahlkampfchef, im Januar sein Chefstratege bis er im August dieses Jahres gefeuert wurde. Er ist kein klassischer Rechtsradikaler, sondern ein Ideologe des Untergangs. Er steht der sogenannten Altright-Bewegung nahe, die den Westen in einem Kulturkampf mit dem Islam sieht. Skurril ist sein Glaube an zwangsläufige Zyklen von Krieg, Untergang und Wiederaufstieg. In Bannons Logik befindet die Welt sich kurz vor einer unvermeidlichen Katastrophe, der eine Phase des Glücks durch eine Besinnung auf konservative Werte folgen muss. "Die Welt steht auf Messers Schneide", sagte er "Vanity Fair" zufolge im November bei einem Vortrag in Tokio. "Wir haben etwas vor uns, das ich ein langes, dunkles Tal nenne, wie in den 1930er-Jahren."

Quelle: n-tv.de, hvo

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