Schutz vor Selbstzahler-LeistungenBedenkzeit für IGeL-Angebote?
Glaukom-Vorsorge beim Augenarzt oder Ultraschall zur Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt: Ärzte empfehlen gern sogenannte Individuelle Gesundheitsleistungen. Ihr Nutzen für die Patienten ist umstritten. Nun wird der Ruf lauter, sie stärker zu reglementieren.
Die Krankenkassen drängen auf einen besseren Schutz der Patienten vor umstrittenen Selbstzahler-Leistungen beim Arzt. "Wir brauchen eine 24-stündige Einwilligungssperrfrist, wenn solche Leistungen in der Arztpraxis angeboten werden", sagte die Vorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer, der Zeitung "Die Welt". Versicherte, denen eine sogenannte IGeL-Leistung angeboten werde, hätten dann Zeit, sich zu informieren und frei zu entscheiden.
"Bei den IGeL-Leistungen geht es häufig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke", kritisierte Pfeiffer. Jeder Patient sollte wissen, dass Ärzte an IGeL-Leistungen gut verdienten.
IGeL-Expertin Monika Lelgemann vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbands der Krankenkassen (MDS) sagte der Zeitung, eine 24-Stunden-Frist sei die "einzige Lösung", um Patienten die Möglichkeit zur Information über die angebotenen Leistungen zu geben. Eine Überprüfung jeder einzelnen Leistung auf Wirkung und Wirksamkeit sei realistischerweise aber nicht machbar, sagte Lelgemann, die das Internetprojekt "Igel-Monitor" betreut.
Die Internetseite wurde demnach bereits mehr als eine halbe Million Mal besucht. Insgesamt 2000 Patienten hätten sich direkt an den MDS gewandt und sich nach bestimmten Leistungen erkundigt. Zu den dabei am häufigsten genannten Themen zählten die professionelle Zahnreinigung, die Ultraschalluntersuchung der Brust und eine Methode zur Früherkennung des Grünen Stars im Auge.
Die umstrittenen IGeL-Leistungen müssen von Kassenpatienten selbst bezahlt werden. Die gesetzlichen Kassen halten die meisten dieser Leistungen für eher wirkungslos und medizinisch unnötig. Kritikern zufolge führen viele IGeL-Untersuchungen zu falschen Befunden und damit zu unnötigen Eingriffen. Die Leistungen waren zuletzt in die Kritik geraten, weil die Bundesregierung Marketingseminare fördert, in denen Ärzte für den Verkauf dieser umstrittenen Selbstzahler-Angebote geschult werden.