Politik

Wer steckt hinter der Bonner Bombe? Behörden ermitteln bei Neonazis

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Angeblich soll die Bombe doch keinen Zünder gehabt haben.

(Foto: dapd)

Die Ermittlungen im Fall der Bombe am Bonner Hauptbahnhof stocken. Vergeblich suchen die Behörden nach den Männern, die auf Videoaufzeichnungen zu sehen sind. Nun weiten die Ermittler die Suche nach den Hintermännern aus.

Nach dem versuchten Bombenanschlag von Bonn suchen die Ermittler einem Medienbericht zufolge jetzt auch nach Spuren in die rechtsextreme Szene. Die Bundesanwaltschaft habe deshalb das neugegründete Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus eingeschaltet, berichtet der "Spiegel". Die Ermittler gehen bislang offiziell von einem versuchten Anschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung aus.

Denkbar sei aber auch ein unpolitisches Motiv, etwa eines Erpressers oder einer "psychisch erkrankten Person", heißt es demnach in einem vertraulichen Lagebericht. Deshalb seien die Ermittlungen in alle Richtungen ausgeweitet worden.

Laut " Welt" verfolgen die Ermittler zudem eine neue Spur: In der Reisetasche mit dem Sprengsatz sei ein Haar - mutmaßlich vom Bombenleger - gefunden worden. Es stamme von einem hellhäutigen Europäer oder Nordamerikaner. Ob eine DNA-Analyse möglich ist, ist demnach unklar.

Die Bundesanwaltschaft sucht bisher unter anderem nach einem bärtigen Mann, der auf der Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Hauptbahnhof mit einer solchen Tasche zu sehen ist. Auf einem Fahndungsplakat wird der Mann als Europäer beschrieben. Außerdem wird nach einem dunkelhäutigen Mann gesucht, der zuletzt im Besitz der Tasche gewesen sein soll.

Bombe wohl doch ohne Zünder

Bei der Suche nach den beiden Tatverdächtigen gibt es der "FAS" zufolge keine Fortschritte. Die Spuren in die Bonner Islamistenszene hätten nicht weitergeführt. Man gehe davon aus, dass die Bundesanwaltschaft den Fall in den kommenden Wochen wieder abgeben werde, schreibt das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt wollten sich zu den Berichten nicht äußern. "Zu Einzelheiten der Ermittlungen geben wir keine Auskunft", sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Beim Bundeskriminalamt hieß es, mittlerweile gebe es 586 Hinweise zu dem versuchten Anschlag.

Die Bombe war am 10. Dezember in einer blauen Sporttasche auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt worden. Der Sprengsatz explodierte aber nicht. Nach neuesten Erkenntnissen kam es offenbar zu keiner Detonation, weil entgegen bisheriger Berichte doch kein Zünder angebracht war. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Bisher hatte es geheißen, der Zünder sei wahrscheinlich ausgelöst worden, aber wegen eines Baufehlers nicht explodiert.

Quelle: ntv.de, jog/dpa