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Waldbrände im Amazonas Bolsonaro macht sich immer unbeliebter

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Präsident Jair Bolsonaro wird in jeder neuen Umfrage von den Brasilianern schlechter bewertet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Polarisieren gehört zur Strategie des ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro. Jetzt zeigt sich aber: das ist ein riskantes Spiel. Die Brasilianer lehnen seine radikalen Aussagen zunehmend ab, die Umfragewerte sinken stetig. Besonders seit der Regenwald in Flammen steht, hat seine Beliebtheit gelitten.

"Es reicht schon, wenn du nur noch jeden zweiten Tag kackst." – so geschmacklos antwortete der brasilianische Präsident, als ihn ein Journalist fragte, wie man Umweltschutz und Landwirtschaft unter einen Hut bringen könne. Es sind Sätze wie diese, die Jair Bolsonaro immer unbeliebter machen.

"Bolsonaro raus" steht auf dem Aufkleber, mit dem die Demonstrantin ihren Mund bedeckt.

"Bolsonaro raus" steht auf dem Aufkleber, mit dem die Lehrerin ihren Mund bedeckt. Sie demonstriert gegen die Einsparungen im Bildungssektor, die Bolsonaro angekündigt hat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine nationale Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Datafolha zeigt, dass Bolsonaro in den vergangenen zwei Monaten offenbar nicht nur bei vielen seiner internationalen Kollegen in Verruf geraten ist, sondern auch bei seinem eigenen Volk. Laut der Umfrage lehnen inzwischen 38 Prozent der Brasilianer ihren Präsidenten ab. Noch Anfang Juli fanden ihn "nur" 33 Prozent schlecht, wie die brasilianische Zeitung "Folha de Sao Paulo" zusammenfasst. Entsprechend sank die Zustimmungsquote von Bolsonaro von 33 Prozent im Juli auf nun 29 Prozent.

In den selben Zeitraum fällt die bislang größte internationale Krise der Regierung: Die Diskussion um die Abholzung und Brandrodung im Amazonas, die während des G7-Gipfels in Biarritz eskalierte. Die G7-Staaten werfen Bolsonaro vor, für die enorm gewachsene Zerstörung des Regenwaldes mitverantwortlich zu sein. In Brasilien wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres hat die brasilianische Weltraumagentur INPE dort mehr als 90.000 Feuer registriert - 71 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Brasilianer finden: Bolsonaro sollte internationale Hilfen annehmen

Auf Kritik aus dem Ausland hatte der brasilianische Präsident immer wieder aggressiv reagiert, und den Ländern vorgeworfen, sich in innere Angelegenheiten Brasiliens einzumischen. Die Mehrheit der Brasilianer sieht das anders. Für 75 Prozent ist das internationale Interesse am Amazonas berechtigt, und der Wald tatsächlich gefährdet. Und mehr als die Hälfte der Brasilianer finden Bolsonaros aggressiven Umgang mit dem Thema schlecht. Dabei ist die Sorge groß, durch das aggressive Verhalten des Präsidenten gegenüber anderer Staatschefs könne Brasilien internationale Investitionen verlieren.

Im Zuge der Diskussion um die Zerstörung des Waldes im Amazonas lieferte sich Bolsonaro einen heftigen Schlagabtausch mit dem französischen Präsidenten. Emmanuel Macron hatte den brasilianischen Präsidenten besonders scharf kritisiert und Bolsonaro vorgeworfen, ihn im Hinblick auf Zusagen zum Umweltschutz belogen zu haben. Kurze Zeit später sorgte Bolsonaro für Empörung, weil er einen sexistischen Facebook-Beitrag über die französische Präsidentin billigte. Macron sagte dazu, er hoffe, dass die Brasilianer "sehr schnell" einen Staatschef bekämen, "der sich angemessen verhält".

Und offenbar sehen die Brasilianer das durchaus ähnlich. Während Bolsonaro seinen Regierungsstil gerne als ehrlich und direkt verkauft, findet knapp ein Drittel sein Verhalten schlicht unangemessen.

Auch den Schlagabtausch mit Macron scheint der Franzose für sich entschieden zu haben. Auf die Frage, wer die besseren Vorschläge für eine Lösung des Konflikts liefere, besser auf die Problematik vorbereitet sei und sich mehr um den Amazonas sorge, nannten die Brasilianer mehrheitlich den französischen Präsidenten. In allen drei Fragen lag Macron gegenüber Bolsonaro vorne.

Die G7-Staaten hatten Brasilien bei ihrem Gipfel außerdem Soforthilfen in Höhe von 20 Millionen US-Dollar zugesagt, um die Löscharbeiten in der Waldbrandregion zu unterstützen. Bolsonaro ließ bislang offen, ob er die Hilfen annehmen werde. Zwei Drittel der Brasilianer sind sich in der Frage einig. Sie finden, er sollte das Geld annehmen.

Fast die Hälfte der Brasilianer glauben ihrem Präsidenten nicht

Eine aggressive Sprache und radikale Aussagen gehören seit Beginn des Wahlkampfs zu Bolsonaros Politik. Viele seiner Anhänger schätzen ihn genau deswegen. Aber auch da, wo er sonst punkten konnte, leidet seine Beliebtheit. Unter den Menschen an der Spitze der Einkommensverteilung, die mehr als das 10fache des Mindestlohns verdienen, sank seine Zustimmungsrate von 52 auf nur noch 37 Prozent. Auch im Süden Brasiliens, wo Bolsonaro mit überwältigender Mehrheit gewählt wurde, stieg die Zahl der Menschen, die ihn schlecht oder sehr schlecht finden von 25 auf 31 Prozent. Die größte Zustimmung erfährt Bolsonaro nach wie vor unter den Anhängern der Evangelikalen. Hier finden 46 Prozent die Regierung gut.

Außerdem sagen inzwischen 44 Prozent der Befragten, dass sie den Worten des Präsidenten keinen Glauben schenken. Dazu tragen wohl auch Empfehlungen bei wie "Es reicht schon, wenn du weniger isst. Du erzählst mir etwas von Umweltschutz. Es reicht schon, wenn du nur noch jeden zweiten Tag kackst". Immerhin: Hier sagen 88 Prozent der Befragten, dass sie dieser Aussage nicht zustimmen.

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Quelle: n-tv.de

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