Politik

Gemeinde Bergtheim gespalten Bürgermeister ausgelost

Jubel beim Sieger, tiefe Enttäuschung beim Verlierer: Mit einem Aufsehen erregenden Losentscheid ist der 51 Jahre alte CSU-Kandidat Konrad Schlier zum neuen Bürgermeister der unterfränkischen Gemeinde Bergtheim gekürt worden. Der Finanzbeamte hatte damit im Rennen mit dem Kandidaten der Freien Christlichen Wähler (FW), Robert Kremling, das Glück auf seiner Seite. Ein Mitglied des Wahlausschusses zog im vollbesetzten Rathaus-Sitzungssaal aus einer Wahlurne einen Briefumschlag, in dem sich der Zettel mit Schliers Namen befand. Die Prozedur, die rund 80 Bergtheimer Bürger angespannt verfolgten, war nach zehn Minuten beendet.

Als Wahlleiter Günther Schlier - mit dem CSU-Kandidaten nach eigenen Angaben nicht verwandt - das blau-grüne Los mit dem handschriftlich vermerkten Namen des Gewinners präsentierte, brach bei den CSU-Anhängern Jubel aus. Der Sieger selbst war zunächst sprachlos. "So richtige Freude kommt bei mir nicht auf. Dazu war die Anspannung der letzten 14 Tage zu groß. Ich muss das erst mal verarbeiten", sprach er dann in die ihm entgegengestreckten Rundfunk- und Fernsehmikrofone. Dabei wirkte Schlier sichtlich bewegt.

Klage erwogen

Der Losentscheid war erforderlich geworden, weil beide Kandidaten bei der Stichwahl am 16. März letztlich auf 898 Stimmen gekommen waren. Zwar hatte sich Kremling zunächst als Wahlsieger gesehen, weil ihm in der ersten Auszählung 899 Stimmen gutgeschrieben worden waren. Bei einer Überprüfung der Stimmzettel eines Wahllokals waren der örtliche Wahlleiter und das Würzburger Landratsamt aber zum Ergebnis gelangt, dass eine Stimme für Kremling ungültig war. Der ominöse Stimmzettel enthielt ein Kreuz im Kreis vor Kremlings Namen, aber auch einen Strich im Kreis von Schlier.

Die umstrittene Entscheidung hatte die Emotionen hochschlagen lassen und den 3500-Einwohner-Ort in zwei Lager gespalten. Der unterlegene FW-Kandidat Kremling, der demonstrativ das bayerische Ehrenzeichen am Revers trug, zeigte sich sichtlich enttäuscht. "Nach einer Schrecksekunde habe ich mich aber gleich wieder gefangen", berichtete er anschließend. Auf den von einem örtlichen Weingut auf der Straße angebotenen "Versöhnungstrunk" der beiden Kandidaten verzichtete der pensionierte Polizist. "Das gibt sonst nur wieder Diskussion und rührt wieder alles auf", sagte er verbittert. Mit den politischen Freunden werde er nun über eine Wahlanfechtung beraten.

Wie tief die Gräben in der 16 Kilometer nordöstlich von Würzburg gelegenen Ortschaft sind, machte der Blick auf die Straße deutlich: Während die Parteifreunde des Gewinners auf der einen Straßenseite mit einem guten Bergtheimer Tropfen auf ihren Sieg anstießen, diskutierten die Kremling-Anhänger auf der anderen Straßenseite maulend die Konsequenzen. Für sie ist die Aberkennung der entscheidenden Stimme für ihren Kandidaten reine Willkür des Wahlleiters, auch wenn dieser sich auf Recht und Gesetz beruft. "Die können sich im Herbst bei der Landtagswahl ihre Wahlhelfer suchen, wo sie wollen. Wir stehen dafür jedenfalls nicht zur Verfügung, wenn die Einschätzung der Wahlhelfer bei der Stimmenauszählung nichts mehr zählt", drohte einer.

Quelle: ntv.de, Klaus Tscharnke, dpa