Politik

Rekrutenfang im Zockermilieu Bundeswehr polarisiert auf der Gamescom

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Via Virtual Reality in einen Tornado einsteigen: Besucher der Gamescom können das am Stand der Bundeswehr erleben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Videospiele und Informationstechnik liegen nicht weit auseinander. Das weiß auch die Bundeswehr, die auf der Gamescom um neue Rekruten wirbt. Der Auftritt steht bei vielen Zockern jedes Jahr in der Kritik - und die Truppe profitiert sogar davon.

Ein großer Stand mit uniformierten Soldaten und viel High-Tech - da bleibt kein Platz mehr für den üblichen Räumpanzer. In diesem Jahr präsentiert sich die Bundeswehr auf der Spielemesse Gamescom in Köln von der modernen Seite. "Wie können aus dem spielerischen Umgang mit IT echte berufliche Qualifikationen und Karriere-Perspektiven werden?", lautet die Kernfrage der Streitkräfte. Der Ansatz für den Rekrutenfang klingt plausibel, die begleitende Werbekampagne und auch die bloße Anwesenheit polarisiert jedes Jahr aufs Neue.

"Multiplayer at its best" oder "Mehr Open World geht nicht" prangte es letztes Jahr von cineastisch angehauchten Plakaten, die Bundeswehrsoldaten im Einsatz zeigten. In diesem Jahr wählt das Verteidigungsministerium einen deutlich moderateren Ansatz. "Entwickle deinen Skill-Tree", "Pay2Win vs echte Skills" und "Single-Player oder Kamerad (m/w/d)?" lauten die Plakatslogans im Gamingjargon. Rund 400 Plakate sind im Stadtgebiet Köln verteilt.

Hintergrund für den moderaten Anwerbungsansatz in diesem Jahr könnte aber auch eine andere Kampagne der Bundeswehr aus dem April 2019 gewesen sein. Die Plakatwerbung "Job Fort?" im markenträchtigen Schriftzug des Autobauers Ford erzürnte die Landesregierung in NRW und den Autobauer. Die Werbekampagne spielte auf die angekündigten Stellenstreichungen in den Ford-Werken in Saarlouis und Köln an.

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Eine Kampagne, die nach hinten losging. Die Bundeswehr warb gezielt um Mitarbeiter des Autobauers Ford.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Reaktionen zahlreicher Nutzer im Netz bleiben trotzdem zwiegespalten. Alleine die Präsenz der Truppe auf einer Veranstaltung, an der nicht nur junge Männer und Frauen, sondern auch Kinder teilnehmen, hat eine polarisierende Wirkung.

"Aufmerksamkeit ist eine gute Geschichte"

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An Botschaften mangelt es auch am Bundeswehrstand nicht.

(Foto: Michael Bauer)

Um die Wirkung von Präsenz und Kampagne weiß die Bundeswehr aber auch. "Ob positiv oder negativ, das liegt im Sinne des Betrachters", sagt Nils Feldhoff, Hauptmann und Messestandleiter des Bundeswehrstandes im Gespräch mit n-tv.de. Faktisch sei Aufmerksamkeit eine gute Geschichte, "sonst wäre die Bundeswehr trotz der Diskussionen nicht mehr auf der Messe. Auch wenn es zum Teil polarisiert, stellt das für uns einen gewissen Rückhalt dar".

Denn vor Ort erhielten die Berufssoldaten eigentlich gar kein negatives Feedback. "Das dringt nicht bis zum Messestand durch", meint Feldhoff, der sich noch gut an den Shitstorm im letzten Jahr erinnern kann. Dieser sei von ein paar wenigen im Netz inszeniert gewesen. Selbst Medienvertreter seien nach der Berichterstattung an den Stand zurückgekehrt und hätten sich dafür entschuldigt, dass sie auf den Shitstorm angesprungen waren. "Das fand ich sehr couragiert", sagt Feldhoff.

Bundeswehr bildet auch Hacker aus

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Der Reaktionstest am Stand der Bundeswehr testet die Hand-Auge-Koordination - ein Faktor, der auch im Gaming eine Rolle spielt.

(Foto: Michael Bauer)

Und so präsentiert sich die Bundeswehr auf der Messe als moderne Armee. Mit Youtube und Whatsapp-Serien soll über zeitgemäße Kanäle für den Wehrdienst begeistert werden, am Messestand können sich Interessierte via Virtual Reality in einen Tornado-Kampfjet setzen oder Koordinationstests absolvieren.

Mit dem Bereich der Cyberkriminalität ist noch ein ganz neuer Aspekt als Berufsfeld dazugekommen: Entsprechend bildet die Bundeswehr auch Hacker aus. "Es ist sinnvoll, den Angreifer und seine Mittel zu kennen. Dadurch kann man sich besser verteidigen", erklärt Feldhoff.

Vom Erfolg des Standes auf der Gamescom ist die Bundeswehr laut Feldhoff überzeugt. Genaue Zahlen, wie viel Interessenten letztlich den Weg über die Spielemesse zum Berufssoldaten gehen, kann er nicht nennen. "Wir wecken ein großes Interesse", ist sich der Hauptmann sicher.

 

Quelle: n-tv.de

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