Demonstrantin acht Tage eingesperrtChinesin klagt wegen Arbeitslager

Weil sie vor Regierungsgebäuden protestiert, wird eine Frau in China zu 18 Monaten Arbeitslager verurteilt, wenige Tage später allerdings freigelassen. Nun klagt sie gegen die Gefangennahme. Das Urteil könnte einen Präzedenzfall schaffen.
In China hat ein Verfahren begonnen, in dem eine Frau eine Entschädigung für einen Aufenthalt im Arbeitslager fordert. Tang Hui war im vergangenen Jahr zu 18 Monaten Umerziehung verurteilt worden, nachdem sie öffentlich höhere Strafen für die Vergewaltiger ihrer Tochter gefordert hatte.
In China kann die Polizei Menschen für bis zu vier Jahre ohne Prozess ins Arbeitslager schicken. Die Klage richtet sich gegen die örtliche Behörde, die für Arbeitslager-Strafen im zentralchinesischen Yongzhou zuständig ist.
Insgesamt sieben Männer hatten 2006 Tangs damals elfjährige Tochter entführt, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen. Im Juni 2012 wurden zwei der Täter zum Tode verurteilt, vier erhielten lebenslange Haftstrafen und einer sollte 15 Jahre in Haft.
Tang forderte mit Protesten vor Regierungsgebäuden härtere Strafen und kritisierte, die Polizei habe Beweise gefälscht, um die Strafen zu verringern. Zwei Monate später wurde sie festgenommen und ins Arbeitslager geschickt. Dies löste einen öffentlichen Aufschrei der Empörung aus, nach acht Tagen wurde Tang wieder freigelassen.