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36 Jahre "Atomkraft? Nein danke!" Dänin entwarf Anti-Atomsonne

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(Foto: picture alliance / dpa)

Anne Lund hat die legendäre gelbrote Anti-Atomkraftsonne mit dem Slogan "Atomkraft? Nein danke" 1975 entworfen. Den Anlass für deren neue Popularität findet die Dänin "sehr traurig". Begeistert ist sie aber von den deutschen Reaktionen auf Fukushima.

Vor der Haustür ein kleines Auto mit extrem niedrigem Benzinverbrauch, hinter dem Häuschen ein wunderbarer Fahrradweg an einem See entlang - und zur Begrüßung ein Lächeln so freundlich wie ihre berühmte rote Anti-Atomkraftsonne. Die Dänin Anne Lund aus Brabrand bei Aarhus ist wieder in aller Munde, seit die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima dem von ihr 1975 entworfenen Symbol der Atomkraftgegner zu gewaltiger neuer Popularität verholfen hat. "Atomkraft? Nej tak" gilt für Lund nach 36 Jahren unverändert.

"Der Auslöser für die Aufmerksamkeit ist traurig, aber ich freue mich sehr über die große Aufmerksamkeit für die Atomkraftprobleme in Deutschland", sagt die 57-Jährige. Heute unterrichtet die Volkswirtin an der Universität in Aarhus, vor 36 Jahren war sie hier als Studentin in der dänischen Anti-Atomkraftorganisation OOA aktiv. "Von Grafik hatte ich null Ahnung. Und die Sonne war nur eine von ganz vielen unserer Aktivitäten", berichtet sie und kramt nach einer der ersten Entwurfsskizzen in ihren Pappkästen: "Professionell war das ganz bestimmt nicht."

Sonne ist eingetragenes Markenzeichen

Dass die freundlich lachende rote Sonne zum unverwüstlichen Symbol für den Widerstand vor allem in Deutschland geworden und in 45 verschiedenen Sprachversionen verbreitet ist, hat die rothaarige Dänin nicht reich gemacht: "Mit keiner Kone oder Øre. Klar, es gibt immer noch Royaltys. Alles geht weiter an verschiedene Initiativen zum Widerstand gegen die Atomkraft." Mit zwei, drei früheren OOA-Mitstreitern passt Lund auf, dass niemand die Sonne, ein eingetragenes Warenzeichen, kommerziell missbraucht: "Anläufe zum Missbrauch gibt es dauernd."

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Die Dänin Anne Lund hat die Anti-Atomsonne 1975 entworfen.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Dänemark selbst haben die Atomkraftgegner ihre Organisation im Jahr 2000 mit einer Begründung aufgelöst, von der Gleichgesinnte in Deutschland, Japan, Russland und vielen andern Ländern träumen: "Die Auflösung wurde beschlossen, weil die OOA ihre wichtigsten Ziele erreicht hat." 1985 hatte das Kopenhagener "Folketing" - das Parlament - endgültig beschlossen, alle Pläne für Atomkraftwerke zu den Akten zu legen. 1999 stand dann fest, dass Schweden das nur 20 Kilometer von Kopenhagen entfernte Atomkraftwerk Barsebäck für immer schließt.

Seitdem macht das kleine Dänemark eher von sich reden, weil die Windenergie hier viel stärker angewandt wird als anderswo. Lund findet das gut, kritisiert aber auch die eigene Regierung in Kopenhagen, weil sie bei den nachhaltigen Energien in den letzten Jahren "leider stark gebremst hat." Und weiter: "Heute beschäftigt mich am allermeisten die Klimaproblematik. Es war traurig, wie der Klimagipfel bei uns in Kopenhagen vor anderthalb Jahren vor die Wand gefahren wurde. Aber man muss weitermachen."

Lund informiert sich auf deutschen Internetseiten

Um mehr über die Katastrophe in Fukushima zu erfahren, geht Anne Lund gern auf deutsche Internetseiten, weil die "ausführlich und auf sehr hohem Niveau informieren". Das heimische Fernsehen fahre hingegen "eine beruhigende Linie" und zitiere zum Beispiel kritikfrei die Atomagentur IAEA, obwohl die doch "erwiesenermaßen eine Interessenorganisation für die Atomindustrie ist". So schlimm wie Tschernobyl sei Fukushima wohl nicht. "Aber wenn ein so hochmodernes und stark bevölkertes Land wie Japan diese Katastrophe überhaupt nicht beherrscht, ist doch klar, dass wir in Westeuropa oder in den USA das auch nicht könnten.

"Atomkraft ist exemplarisch für eine Großtechnologie, die sich kraft ökonomischer Interessen durchsetzt, obwohl sie mit extremen Risiken behaftet ist", sagt die Dänin. Das sei heute genauso wahr wie 1975, als sie das Anti-AKW-Logo zeichnete. Ihre Tochter ist heute genauso alt wie sie selbst damals: "So wie wir ist diese Generation nicht vom Konflikt um die Atomkraft geprägt."

Quelle: ntv.de, Thomas Borchert, dpa