Politik

Stellvertreterkrieg im Nachbarland Darum bombardieren die Saudis den Jemen

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Eine Explosion erschüttert ein Munitionslager im Hafen von Aden: Ob ein Luftschlag oder Huthi-Rebellen dafür verantwortlich sind, ist unklar.

(Foto: REUTERS)

Seit vier Tagen bombardiert eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz Stellungen der Huthi - dass hinter dem "Sturm der Entschlossenheit" viel mehr als der Kampf gegen eine jemenitische Rebellengruppe steckt, gibt König Salman offen zu.

Als sich die arabischen Staatsoberhäupter daran machen, über das Schicksal seines Landes zu entscheiden, sitzt der jemenitische Präsident zunächst nur stumm in der zweiten Reihe. Abed Rabbo Mansur Hadi war wochenlang in seinem eigenen Land vor schiitischen Rebellen geflohen, zuletzt brachte ihn Saudi-Arabien in Sicherheit. Gemeinsam mit dem saudischen König Salman flog Hadi nun ins ägyptische Scharm el Scheich zur Tagung der Arabischen Liga.

Zwei Tage lang traf sich die Liga in dem Badeort - eigentlich sollte vor allem über den Kampf gegen den Terror beraten werden, doch drehte König Salman das Thema rasch in Richtung Krieg. Seit Monaten beherrschen die schiitischen Huthi große Teile des Jemens. Die Rebellen vertrieben die Regierung aus der Hauptstadt Sanaa. Deren "Aggression sei eine enorme Gefahr für die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region", warnte nun Salman, "sowie für die Welt".

"Fremde Kräfte" namens Iran

Seit vier Tagen bombardiert eine von Riad angeführte Allianz Stellungen der Huthi. Beim Liga-Treffen nun schwor König Salman die arabischen Staaten endgültig auf seinen Krieg - die Operation "Sturm der Entschlossenheit" - ein. Denn hinter den Rebellen steckt nach Ansicht des Monarchen noch mehr: "Im Jemen haben es fremde Kräfte der Huthi-Miliz, obwohl sie nur eine kleine Gruppe ist, ermöglicht, einen Putsch gegen die Regierung zu starten."

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Trotz der saudischen Luftangriffe sind die Huthi-Rebellen weiter auf dem Vormarsch auf Aden, die letzte Hochburg der Regierung.

(Foto: REUTERS)

Mit den "fremden Kräfte" meint Salman den Erzrivalen Iran. Der schiitische Staat gilt als heimlicher Financier der Huthi-Rebellen. Der Volksstamm erinnert an die vom Iran unterstütze Hisbollah im Libanon. Teheran wolle so Einfluss im bettelarmen Jemen erlangen, mutmaßen Beobachter - und damit neben dem Libanon, Syrien und dem Irak eine neue geostrategische Schneise in den Nahen Osten schlagen. Zwar verfügt der Jemen nur über wenig Ölvorkommen. Über die Meerenge Bab al-Mandab vor der jemenitischen Küste werden jedoch täglich rund vier Millionen Barrel Öl transportiert. Sie ist zudem eine wichtige Verbindung zwischen dem Mittelmeer und Asien. Saudi-Arabien und Ägypten stationierten bereits am Freitag Kriegsschiffe vor Ort.

Die konservativen Sunniten in Saudi-Arabien, bislang stärkste Macht am Golf, fürchten den Einfluss der Schiiten aus Teheran. Denn während König Salman in Ägypten vor dem Iran warnt, sitzen dessen Vertreter im schweizerischen Lausanne mit den USA zu Atomverhandlungen zusammen. Beobachter erwarten einen Durchbruch - und eine weitere Annäherung zwischen Teheran und dem Westen nach Jahren der Eiszeit.

Profitieren werden nur die Hardliner

Am unteren Ende der Arabischen Halbinsel könnte ein jahrelanger Kalter Krieg zwischen Riad und Teheran nun heiß werden, warnt der Nahost-Experte Yochi Dreazen in der "Washington Post". Denn Saudi-Arabien halte vor allem die Atomverhandlungen für einen "historischen Fehler". Der Krieg im Jemen solle weniger den Menschen im gepeinigten Land helfen, als vielmehr Teheran hervorlocken. Für die Region ist das ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Aus Sicht von US-Sicherheitsberatern der Soufan Group drehen alle Beteiligten den Konflikt in eine "zunehmend religiöse Ecke" - mit dem Ergebnis, "dass bald nur noch sunnitische Extremisten und schiitische Hardliner profitieren". Den Jemen, dessen Krisen sich bisher entlang von Stämmen und nicht von Religionsgruppen entzündeten, werde diese Zuspitzung auf Jahrzehnte verderben. Es drohe ein zweiter Irak, heißt es.

Die arabischen Staats- und Regierungschefs beschlossen am Sonntag auf einem Gipfeltreffen der Arabischen Liga, eine gemeinsame Eingreiftruppe zu bilden. Die neue arabische Streitmacht solle gegen extremistische Gefahren in der Region vorgehen können, sagte Ägyptens Präsident und Liga-Gastgeber Abdel Fattah al-Sisi. Als solche Gefahren können Islamistengruppen wie Al-Kaida oder der Islamische Staat verstanden werden - oder aber die Huthi.

Quelle: ntv.de, Marc Röhlig, dpa

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