Politik

Früher Warner vor der Finanzkrise Das "Arbeitstier" Papademos

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(Foto: AP)

Der ehemalige EZB-Vize Papademos gilt als überaus fleißig und wird wegen seines scharfen Verstands geschätzt. Den wird er auch brauchen, wenn er einer Übergangsregierung in Athen vorsteht.

Jahrelang war er die Nummer zwei der Europäischen Zentralbank hinter Jean-Claude Trichet: Nun wird Lucas Papademos in seiner Heimat Griechenland als Retter in der Not einspringen und als Chef einer Koalitionsregierung die Zügel fest in die Hand nehmen. Der im In- und Ausland hoch angesehene Finanzfachmann steht vor der Herkules-Aufgabe, das tief gespaltene Land in der wohl schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte zu einen und vor dem Chaos zu bewahren.          

Nach acht Jahren im Direktorium der EZB war Papademos im Mai 2010 ausgeschieden - just zu dem Zeitpunkt, als sich Griechenland unter der Last seiner Schulden in die Arme von IWF und Europäischer Union flüchten musste. Noch während seines EZB-Mandats hatte der promovierte irtschaftswissenschaftler ein Angebot des späteren Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou ausgeschlagen, aus dem Frankfurter EZB-Tower nach Athen zu wechseln. Dort wurde er bereits als Superminister für Wirtschaft und Finanzen gehandelt. Er entschied sich aber, bis zum Ende seiner Amtszeit am Main zu bleiben. Danach diente er Papandreou als Berater, ohne direkt in die Kabinettsdisziplin eingebunden zu sein.

Ruhe und Gelassenheit nötig

Als Regierungschef muss Papademos aus den Kulissen heraustreten und auf der politischen Bühne die Hauptrolle geben, die ihm bei der EZB nicht vergönnt war: Papandreou hat mit seinem Referendumsvorstoß die Tür für einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone einen Spalt weit aufgestoßen und international viel Porzellan zerschlagen. Als früherer Stellvertreter des "Mr. Euro" stellt sich für Papademos wohl weniger in Frage, ob Griechenland unverbrüchlich an der Gemeinschaftswährung festhält oder die Segel in der Euro-Zone streicht. Denn auch die Mehrheit der Griechen möchte die Gemeinschaftswährung behalten. Vielmehr wird es für ihn darum gehen, seine Landsleute davon zu überzeugen, dass es wohl nur mit den von den Euro-Partnern geforderten scharfen Einsparungen eine Chance auf eine mittelfristige Erholung des Landes gibt.          

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Papademos muss viel anpacken.

(Foto: dpa)

Der 64-jährige gebürtige Athener und Ex-Gouverneur der Nationalbank gilt als früher Warner vor der Finanzkrise. Zugleich mahnte Papademos bereits vor Jahren eine stärkere europäische Integration an - eine Forderung, die auch der Ende Oktober aus dem Amt geschiedene EZB-Chef und Karlspreisträger Trichet zuletzt forciert hatte.       

Obwohl Papademos als Vizepräsident stets im Schatten des Franzosen an der Spitze der EZB stand und nicht das Scheinwerferlicht suchte, wirkte er hinter den Kulissen umso aktiver mit. Unter seiner Ägide führte die EZB Finanzstabilitätsberichte ein, die zweimal jährlich erscheinen. Papademos gilt zugleich als "Arbeitstier" und wird wegen seines scharfen Verstands geschätzt. Den wird der ergraute Finanzfachmann mit den markanten dunklen Augenbrauen in seinem neuen Amt auch brauchen: Papandreou bemühte in seinem Reden mehrfach das Bild der Odyssee, um Griechenlands Kampf gegen die Schuldenkrise zu beschreiben. Papademos muss nun mit der ihm zugeschriebenen Ruhe, Umsicht und Gelassenheit dafür sorgen, dass daraus kein Himmelfahrtskommando wird.          

Quelle: ntv.de, rts

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