Politik
Freitag, 16. August 2013

"Ich hätte auch Hitler verteidigt": Der "Advokat des Teufels" ist tot

Er war Franzose, Anwalt, Kommunist - und verteidigte eine Vielzahl prominenter Verbrecher: Jacques Vergès. Eine seiner bekanntesten Aufgaben war die Vertretung des ehemaligen Gestapo-Chefs von Lyon, Klaus Barbie. "Ich hätte auch Hitler verteidigt", sagte er einmal. Nun stirbt Vergès in Paris.

Jacques Vergès wurde 88 Jahre alt.
Jacques Vergès wurde 88 Jahre alt.(Foto: picture alliance / dpa)

Der bekannte französische Strafverteidiger Jacques Vergès, der unter anderem den Nazi-Kriegsverbrecher Klaus Barbie verteidigte, ist tot. Der umstrittene Rechtsanwalt starb im Alter von 88 Jahren in Paris, wie der Präsident der französischen Anwaltsvereinigung, Christian Charrière-Bournazel mitteilte. Seine Vorliebe für die Verteidigung prominenter Verbrecher brachte Vergès den Beinamen "Advokat des Teufels" ein.

Vergès war nach Angaben Charrière-Bournazels vor einiger Zeit gestürzt und hatte sich davon nicht mehr erholt. Nach Angaben des Verlags Pierre-Guillaume, der im Februar die Memoiren des Anwalts veröffentlicht hatte, starb Vergès an einem Herzstillstand.

Vergès, der 1925 im heutigen Thailand geboren wurde, übernahm während seiner langen Karriere als Anwalt immer wieder spektakuläre und als aussichtslos geltende Mandate. Unter anderem verteidigte er den ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie.

"Höflichkeit" beim Foltern

Zu Vergès' Klienten zählte auch der venezolanische Terrorist Ilich Ramírez Sánchez, besser bekannt als Carlos. Außerdem verteidigte der streitbare Jurist Khieu Samphan, einen hohen Funktionär der Roten Khmer in Kambodscha, den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic sowie Mitglieder verschiedener linksextremer Gruppierungen.

Als Verteidiger suchte der als selbstverliebt verschrieene Vergès stets die Konfrontation und machte sich mit seiner provokativen Art viele Feinde. Im Barbie-Prozess erwiderte er, als Widerstandskämpfer vom Lächeln des Gestapo-Chefs von Lyon beim Foltern berichteten, dies sei ein Zeichen für dessen "Höflichkeit". "Ich hätte Hitler verteidigt", sagte er einmal.

Seine Kindheit verbrachte Vergès größtenteils im französischen Überseegebiet La Réunion. Während des Zweiten Weltkriegs schloss er sich mit 17 Jahren französischen Widerstandskämpfern an und trat später in die Kommunistische Partei Frankreichs ein. In den 50er-Jahren lebte Vergès zunächst in Prag, bevor er 1955 sein Jurastudium in Paris begann. Er war ein militanter Gegner des französischen Kolonialismus und heiratete 1962 die algerische Unabhängigkeitskämpferin Djamila Bouhired, die wegen Bombenanschlägen zunächst zum Tode verurteilt, dann aber freigelassen wurde.

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Quelle: n-tv.de