Politik

Ein Freund, ein guter Freund Der Filmfinanzier Groenewold

Es ist eine Binsenweisheit: Freunde sollte man sich gut aussuchen. Im Fall von David Groenewold hat Ex-Präsident Wulff eindeutig eine schlechte Wahl getroffen. Die Freundschaft zum halbseidenen Filmunternehmer kostet ihn das Amt.

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Einer von Wulffs vielen guten Freunden: Filmproduzent Groenewold.

(Foto: dpa)

Hätte Bundeskanzlerin Angela Merkel gewarnt sein können vor zweifelhaften Freundschaften Christian Wulffs? Schon im Juni 2010, wenige Tage vor Wulffs Wahl zum Bundespräsidenten, berichtete der "Spiegel" von juristischen Problemen eines David Groenewold und brachte diesen in Zusammenhang mit Wulff. Damals nahm niemand Anstoß an der Freundschaft - nun kostete sie Wulff das Amt. Die Zuwendungen des Filmfinanziers führten zu den Die Erklärung der Staatsanwaltschaft , deretwegen Wulff nun zurücktrat.

Groenewold und Wulff kennen sich seit dem Jahr 2003. Mit gerade mal 30 Jahren produzierte der im März 1973 geborene Groenewold damals den Film "Das Wunder von Lengede" im niedersächsischen Goslar. Als Ministerpräsident von Niedersachsen unterstützte Wulff die Verfilmung des Bergarbeiterdramas nach Kräften - aus dem Kontakt wurde eine Freundschaft.

Was auch immer den gut 14 Jahre älteren Ministerpräsidenten an dem Jungunternehmer faszinierte - die Gegensätze im Image der beiden könnten nicht größer sein. Während Wulff Zeit seiner Politikerlaufbahn ein eher langweiliges Schwiegersohn-Image begleitete, passte der gebürtige Berliner Groenewold mit seiner Lebensart in die gängigen Vorstellungen von der Filmwelt.

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Wulff wollte auch etwas Glamour.

(Foto: dpa)

Groenewold hat eine 800-Quadratmeter-Villa in Berlin, in der gerne Prominente aus der Filmbranche vorbeischauen. Groenewolds Ex-Freundin war eine Werbe-Schönheit, die darauf folgende Freundin eine Dame aus der Berliner Partyszene. Kein Gerüchte-Klatsch, sondern ein Thema, über das Groenewold selbst mit den Boulevardzeitungen sprach. "Ich habe das Glück, dass ich viele weibliche Freundinnen habe, die sich um mich kümmern", zitierte ihn etwa die Berliner "BZ" zu seinen wechselnden Bekanntschaften.

Groenewold gut vernetzt

Allerdings ist Groenewold kein Bruder Leichtfuß, er hat eine fundierte Ausbildung. Schon sein Vater finanzierte Filme wie "Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Der Junior ging auf beste Schulen, arbeitete in London bei einer Bank und als Unternehmensberater. Schon bald zog es ihn aber zum Film: Mit 27 Jahren schloss er seinen ersten Rahmenvertrag mit der ProSiebenSat. 1-Gruppe.

Und Groenewold wusste, dass zu einem Filmkaufmann vor allem auch gute Kontakte zählen. Er sammelte Visitenkarten und baute viele Freundschaften über Parteigrenzen hinweg auf. Als der "Spiegel" 2010 vor Wulffs Wahl zum Bundespräsidenten wegen der Verurteilung Groenewolds zu Schadensersatz in Höhe von 250.000 Euro bei Wulffs Sprecher anfragte, erklärte dieser: "Ebenso wie Claudia Roth und Klaus Wowereit ist Christian Wulff mit David Groenewold bekannt." Ansonsten gelte: "Privates ist privat."

Doch dieses Private könnte nach dem Eindruck der Staatsanwaltschaft in Hannover womöglich die Grenze zum Strafbaren überschritten haben. Auf der einen Seite ist da eine staatliche Bürgschaft des Landes Niedersachsen für eine von Groenewold betriebene Filmgesellschaft, auf der anderen Seite stehen von diesem zunächst bezahlte Urlaubsreisen oder Hotelaufenthalte für Wulff.

Groenewold wird nun damit leben müssen, dass er mit dieser Art der Kontaktpflege der Auslöser für einen Bundespräsidenten-Rücktritt war. Ein mögliches Stigma für einen Geschäftsmann, der seine Filme auch mit Hilfe staatlicher Förderung macht. Auch an anderer Stelle läuft es dieser Tage nicht gut für Groenewold. Er hatte mit Helmut Dietl einen Film produziert, der nun floppt. Der Titel: "Zettl - Unschlagbar charakterlos".

Quelle: n-tv.de, AFP

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