Politik

Staat wird positiver gesehen Deutlich weniger Deutsche fühlen sich frei

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Man könne frei reden, sagen 45 Prozent der Befragten. 44 Prozent sagen, es sei besser vorsichtig zu sein.

(Foto: picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto)

Dem aktuellen "Freiheitsindex" zufolge nimmt die subjektive Wahrnehmung von Freiheit in Deutschland ab. Mit dem Staat identifizieren sich zugleich immer mehr Befragte.

Nur noch 36 Prozent der Deutschen fühlen sich einer Umfrage zufolge frei. Das ergab der "Freiheitsindex 2021", dessen Ergebnisse RTL/ntv exklusiv vorliegen. Vier Jahre zuvor waren es 51 Prozent. Der aktuelle Wert ist der niedrigste seit 2005, als die Deutschen der Untersuchung zufolge schon einmal Einschränkungen zum Beispiel in der Reisefreiheit durch die Folgen von Terrorangriffen zu spüren bekamen.

Die Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) untersucht neben dem subjektiven Freiheitsgefühl auch die Einstellung gegenüber dem Staat, die empfundene Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung sowie die gefühlte Pflicht zum gesellschaftlichen Engagement. Es geht also nicht um objektive, sondern um empfundene Freiheit. Die Daten der Befragten sind aus dem Juni 2021.

Roland Schatz, Studienleiter des Allensbach-Instituts, sieht die Gründe für den Einbruch in der Corona-Pandemie: "Der Hauptgrund ist natürlich das Erleben seit 16 Monaten, wie die Bundesregierung [...] in den Alltag von Privatpersonen eingreift", sagte er.

Auch bei den Antworten auf die Frage "Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?" ermittelt die Studie einen Abwärtstrend. Man könne frei reden, sagen 45 Prozent der Befragten. Das ist der bisher niedrigste Wert seit der ersten Durchführung der Studie vor 31 Jahren. 2017 waren es 63 Prozent. Dieser Wert sinkt bereits seit drei Jahrzehnten stetig. 44 Prozent sagen, es sei besser, vorsichtig zu sein. 2017 lag dieser Wert bei 25 Prozent.

"Der Staat, das sind wir alle", sagen 47 Prozent

Studienleiter Schatz sieht auch hier einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Allein die Frage "Lässt du dich impfen oder lässt du dich nicht impfen?", sei schon politischer Natur, sagt er.

Der Umfrage zufolge hat sich die Einstellung zum Staat zugleich verbessert. Der Aussage "Der Staat, das sind wir alle, es liegt an uns Bürgern, wie sich Deutschland entwickelt" stimmen zehn Prozentpunkte mehr zu als 2012; insgesamt sagen dies 47 Prozent. Die Gegenposition, "Der Staat und die Bürger, das sind verschiedene Dinge. Wir Bürger haben wenig Einfluss darauf, wie sich der Staat entwickelt", unterstützen 42 Prozent, ein Rückgang um zwölf Punkte.

Auch die Meinung zum Einfluss eines Einzelnen ist gestiegen. Die Frage "Hat man als Bürger Einfluss auf das, was hier am Ort geschieht, oder ist man da machtlos?" wurde 1992 von 22 Prozent bejaht. Heute sind es 47 Prozent. Gestiegen ist auch die Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement. Laut der Studie sprechen sich 74 Prozent der Befragten für ein gesellschaftliches Engagement aus, seit 2012 ist die Zahl nochmals gestiegen.

Quelle: ntv.de

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