Politik

Geheimdienste contra ChiracDie Rache des Präsidenten

24.06.2002, 03:02 Uhr

Die Chefs des französischen Inlands- und des Auslandsgeheimdienstes sollen ihren Hut nehmen, weil ihre Behörden auf Betreiben der früheren Linksregierung gegen Präsident Chirac ermittelt haben.

In Frankreich sollen Geheimdienstchefs abberufen werden, weil sie auf Betreiben der früheren Linksregierung unter Premier Lionel Jospin Ermittlungen gegen Präsident Jacques Chirac zugelassen haben. Das berichtete die Tageszeitung "Le Monde".

Das Präsidentenamt werfe der Regierung des früheren sozialistischen Premierministers vor, vor der Präsidentenwahl den Geheimdienst veranlasst zu haben, belastendes Material über angebliche Finanzbeziehungen Chiracs unter anderem nach Libanon zu sammeln. Deshalb sollen dem Bericht zufolge die Chefs des Inlandsgeheimdienstes (DST), Jean-Jacques Pascal, und des Auslandsgeheimdienstes (DGSE), Jean-Claude Cousseran, ihren Hut nehmen.

Der Zeitung zufolge handelt es sich um alte Chirac-Affären, die die frühere Regierung Jospin im Präsidentschaftswahlkampf durch neuerliche Untersuchungen angeblich wieder aufleben lassen wollte. Jospin war gegen den später wiedergewählten Chirac angetreten, aber im ersten Wahlgang von dem Rechtsextremistenführer Jean-Marie Le Pen übertroffen worden.

Die Untersuchungen gegen Chirac sollen sich unter anderem auf wiederholte Gerüchte bezogen haben, dass in seiner Zeit als Premierminister (1986 bis 1988) vor der Freilassung französischer Geiseln in Libanon entgegen der offiziellen Darstellung Lösegelder gezahlt und zum Teil wieder zurückgeflossen sein sollen.