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Trumps geheimer Afghanistantrip Diesmal halten wirklich alle dicht

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US-Präsident Trump zeigt sich zufrieden mit diesem Thanksgiving - obwohl er es nicht zuhause verbringen konnte.

(Foto: REUTERS)

Das Weiße Haus ist unter US-Präsident Trump so durchlässig geworden wie ein Sieb. Immer wieder dringen pikante Informationen an die Öffentlichkeit. Deshalb beeindruckt die filmreife Verschleierung von Trumps jüngster Reise nach Afghanistan selbst die Beteiligten.

Es scheint nicht viel zu geben, was unter der Präsidentschaft von Donald Trumps noch nicht seinen Weg ans Licht der Öffentlichkeit gefunden hätte: Erheiterndes genauso wie Erschreckendes. Dass der mächtigste Mann der Welt seine Abende gerne mit Burgern und Fox News im Bett verbringt, steckten Mitarbeiter im Weißen Haus ebenso durch, wie den Inhalt seines Telefonats mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Letzteres könnte Trump sogar sein Amt kosten, wenn es nach den Demokraten geht. In jedem Fall aber wird die Trump-Administration nicht für ihre disziplinierte Informationspolitik in die Geschichtsbücher eingehen. Das Weiße Haus hat also allen Anlass sich zu freuen, dass es gelungen ist, den jüngsten Überraschungsbesuch Trumps in Afghanistan geheimzuhalten.

Man hatte sich auch wirklich große Mühe gegeben: Kaum jemand soll von Trumps Ausflug zu Thanksgiving gewusst haben, nur wenige enge Berater waren eingeweiht. Nicht einmal den Piloten, die den Präsidenten am Mittwochabend aus seinem Domizil in Florida ausflogen, sei vor dem Flug klar gewesen, welch wertvolle Fracht sie transportieren würden, berichtete die einzige Reporterin an Bord der Maschine.

Während Trump also in einem spärlich ausgebauten Flugzeug und im Schutze der Dunkelheit sein Ferienressort Richtung Washington verließ, blieb die berühmte Regierungsmaschine "Air Force One", mit der der Präsident am Tag zuvor in Florida angekommen war, gut sichtbar auf einem Flughafen dort geparkt. Auf der Joint Base Andrew, einem Regierungsflughafen in der Nähe Washingtons, wartete das Flugzeug auf den US-Präsidenten, in dem er die nächsten 13 Stunden verbringen sollte.

In einem tiefergelegten Hangar war ein Zwilling der Air Force One versteckt worden, der alsbald ohne die übliche Beleuchtung unbemerkt in den Nachthimmel und über den Atlantik entschwand. An Bord weitere zwölf Journalisten, die, zwei Stunden vor dem Abflug kontaktiert, von einem Parkdeck aufgesammelt und zum Flughafen gebracht worden waren. Alle Passagiere an Bord, auch Trump mussten all ihre elektronischen Geräte abgeben. So sehr fürchteten die Verantwortlichen im Weißen Haus eine frühzeitige Enthüllung der Reise.

Trump ist ohne Twitter - doch Twitter nicht ohne ihn

Und sie hatten dazu allen Grund. Hohe US-Repräsentanten in Kriegsgebieten sind potentielle und immer wieder auch tatsächliche Anschlagsziele. Als Donald Trump letztes Jahr seinen ersten Truppenbesuch im Irak absolvierte, hatte ein britischer Amateur-Flugbeobachter die Air Force One erkannt und fotografiert. Viele spekulierten damals über eine Reise Trumps in den Nahen Osten, auch weil der sonst so mitteilungsbedürftige Präsident erstaunlich lange nicht twitterte.

*Datenschutz

Aber selbst darum hatte man sich dieses Mal im Weißen Haus gekümmert. Während seines Flugs nach Afghanistan wurden von Trumps Account, dessen Inhaber man ja das Smartphones abgenommen hatte, mehrere Tweets abgesetzt. Trumps Mitarbeiter versendeten vorgefertigte Nachrichten, in denen Trump unter anderem das Militär zum Feiertag grüßte, um Normalität zu simulieren.

Zwei Stunden vor der Landung auf der Militärbasis Bagram wurde den Reportern dann das Ziel der Reise offenbart und erst kurz vor dem Wiederabflug hatten sie die Möglichkeit, ihren Redaktionen zuhause in den USA vom Überraschungsbesuch Trumps in Afghanistan zu berichten. Und trotz all dieser Sicherheitsvorkehrungen scheint die Angst vor undichten Stellen bei allen Beteiligten groß gewesen zu sein. Eine Reporterin, die den Präsidenten begleiten durfte, schrieb im Nachhinein: "Wir alle befürchteten, dass das Embargo gebrochen würde, bevor wir hätten berichten können."

Stephanie Grisham, Pressesprecherin des Weißen Hauses, wollte nicht verraten, was passiert wäre, hätte jemand Trumps Reisepläne vorzeitig verraten. Tatsächlich kann das aber durchaus ein Grund für eine Planänderung oder gar den Abbruch einer Reise sein. Insofern passte Grishams zufriedene Feststellung, die Einhaltung des Embargos sei aus Sicherheitsgründen überlebensnotwendig gewesen, ins Bild.

Quelle: n-tv.de, lwe

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