Politik

Mugabes Aufstieg und Sturz Diktator tritt ab - Lage ist desolat

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Seit 1980 ist Robert Mugabe in Simbabwe an der Macht - nun dürfte seine Herrschaft zu Ende sein.

(Foto: dpa)

Die Kornkammer Afrikas wurde Simbabwe genannt. In den 80ern, unter Mugabe, stieg das Land zu einer der stärksten Volkswirtschaften Afrikas auf. Dann wandelte sich der Präsident zum Diktator, das Land versank im Chaos. Nun ist Mugabe zurückgetreten.

Vor zehn Jahren entzog die Universität von Edinburgh Robert Mugabe die Ehrendoktorwürde, die er 1984 erhalten hatte. Weitere Unis zogen nach, 2008 erkannte Königin Elizabeth II. ihm sogar die erst in den 90er-Jahren verliehene Ritterwürde wieder ab. Es waren deutliche Zeichen der veränderten Sicht des Westens auf den Präsidenten von Simbabwe.

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1988 wurde Mugabe noch freundlich in London empfangen.

(Foto: dpa)

Die Einsicht kam reichlich spät. Mugabe hatte sich längst vom gern gesehenen Staatsgast zum brutalen Diktator gewandelt - bereits 2003 war Simbabwe aus dem Commonwealth geflogen. Innerhalb von 20 Jahren hatte der Diktator die einstige Kornkammer Afrikas heruntergewirtschaftet, hatten sich seine Angehörigen und engsten Vertrauten gnadenlos bereichert, während ein Großteil der Bevölkerung verarmte und Oppositionelle gnadenlos verfolgt wurden.

Nun ist die Schreckensherrschaft des einstigen Hoffnungsträgers am Ende. Das Militär setzte den 93-Jährigen und seine Frau, die wegen ihrer Luxussucht "Gucci Grace" genannt wird, vor wenigen Tagen fest. Zwar vermieden die Generäle den Begriff Militärputsch - doch nichts anderes war die Aktion. In der Folge sagte sich seine Partei von Mugabe los. Nun tritt der 93-Jährige zurück.

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Noch im September dieses Jahres sprach Mugabe vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

(Foto: dpa)

Die Lage ist tatsächlich dramatisch: Seit der Jahrtausendwende hat eine tiefe Wirtschaftskrise das Land erfasst, die Produktion ist seitdem um mehr als die Hälfte eingebrochen. Die Landwirtschaft, einst ein sicherer Devisenbringer, liegt darnieder, auch reiche Bodenschätze von Gold bis Kohle werden kaum noch abgebaut - der Mugabe-Clan soll sich allerdings am Handel mit Diamanten bereichern.

230 Millionen Prozent Inflation

Die ohnehin seit Jahren steigende Inflation wurde - auch aufgrund hausgemachter Fehler - im Jahr 2008 zur Hyperinflation. Zeitweise erreichte sie 230 Millionen Prozent, bevor die Währung 2009 abgeschafft wurde. Reserven ausländischer Devisen gibt es allerdings kaum - 2008 verfügte das Land gerade mal über 200.000 US-Dollar. Dafür kostet ein Bitcoin in Simbabwe laut "Bloomberg" derzeit 13.500 US-Dollar, knapp doppelt so viel wie auf internationalen Märkten.

Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei um die sechs Prozent - laut Schätzungen sind es aber 95. Ein Großteil der Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen, viele junge Menschen sind längst in Nachbarländer wie Südafrika gegangen. Verschlimmert wurde die Lage 2008 noch durch eine Cholera-Epidemie, die Tausende Menschenleben forderte - in einem eigentümlichen Schritt erklärte Mugabe die Seuche, die damals auf ihrem Höhepunkt war, für beendet. Auch eine HIV/Aids-Pandemie hat das Land seit Jahren im Würgegriff.

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Vertrauenswürdig seit 1980? Mugabe-Plakat im Juni in Marondera.

(Foto: dpa)

Politisch regierte der Staatschef mit harter Hand - sofern sein Gesundheitszustand das überhaupt noch zuließ. Regelmäßig flog er zu ärztlichen Behandlungen ins Ausland. Die Opposition wurde unterdrückt, Wahlen wie zuletzt die Abstimmungen 2008 und 2013 galten als gefälscht. Die Machtübernahme des Militärs hing aber ohnehin eher mit dem Nachfolgestreit innerhalb der regierenden Zanu-PF zusammen, der nach der Entlassung des langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa eskalierte. Ob Mugabes Abgang wirklich etwas ändert, ist deshalb fraglich.

Dabei galt Mugabe, als er 1980 überraschend die Parlamentswahl des neu gegründeten Staates gewann, noch als Hoffnungsträger - sowohl bei anderen afrikanischen Staaten als auch im Westen. Schließlich war der Übergang der ehemaligen britischen Kolonie von der Republik Rhodesien zur Republik Simbabwe vergleichsweise unblutig vonstatten gegangen. Manchen galt der ehemalige Guerillakämpfer und Akademiker Mugabe, der lange in Haft gesessen hatte, sogar als Mandela seines Landes.

China ehrt Mugabe mit Friedenspreis

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Das Militär hat in Harare Stellung bezogen - Mugabe und sein Umfeld stehen unter Arrest.

(Foto: dpa)

Tatsächlich sorgte er für etliche Verbesserungen: Die Lebenserwartung und Beschäftigung stiegen, Kindersterblichkeit und Mangelernährung gingen zurück. Simbabwe wurde eine der stärksten Volkswirtschaften des Kontinents. Übersehen wurde allerdings, dass Mugabe bereits damals hart gegen jegliche Opposition vorging - 20.000 Oppositionelle wurden von seinen Milizen ermordet.

Die Hoffnungen auf ein afrikanisches Musterland zerschlugen sich spätestens ab den 90er-Jahren. Mugabe baute auch auf internationalen Druck hin das Land um. Doch die verfehlten Privatisierungen, ein strenger Sparkurs und zunehmende Korruption unter Mugabes Anhängern ließen die Wirtschaft stagnieren, die Währung verfallen. Hinzu kam ein kostspieliges militärisches Eingreifen im Kongo und zunehmende Repressionen, etwa die systematische Verfolgung von Homosexuellen.

Auch die Landreform sorgte für scharfe Proteste im Westen. Eigentlich hatte sie zum Ziel, die 70 Prozent Ackerland, über die weiße Siedler verfügten, Schritt für Schritt an schwarze Farmarbeiter zu übertragen. Doch der schleppende Verlauf führte zu Protesten und einem Strategiewechsel: Fortan wurden weiße Bauern mit Gewalt enteignet und vertrieben. Das Land ging vielfach an das Umfeld Mugabes, auch wenn dieses keine landwirtschaftliche Erfahrung hatte. Misswirtschaft und Dürre führten zu einer Nahrungsmittelknappheit und vielen arbeitslosen Landarbeitern. Auch Kredite aus dem Westen blieben aus. Der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten.

Von der Macht aber konnte Mugabe nicht lassen. Während das Land im Chaos versank, setzte er auf Prunk und Peitsche. Einstige Förderer und Unterstützer im Ausland wandten sich von ihm ab, er wurde zunehmend isoliert. Allerdings fand er immer wieder neue Allianzen, abseits des Westens. Noch 2015 erhielt er den chinesischen Konfuzius-Friedenspreis, der seinen Einsatz für den Frieden würdigte. Mugabe habe "Schwierigkeiten aller Art überwunden und sich streng dazu verpflichtet, die politische und wirtschaftliche Ordnung seiner Nation aufzubauen", hieß es zur Begründung.

Quelle: n-tv.de

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