Politik

HintergrundEinwanderungsland Deutschland

22.03.2002, 10:24 Uhr

In Deutschland leben 7,3 Mio. Ausländer. Das entspricht neun Prozent der Gesamtbevölkerung. Faktisch ist Deutschland seit langem ein Einwanderungsland, auch wenn das offizielle Verständnis lange Zeit ein anderes war.

Trotz einer Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen verlief die Zuwanderung bislang unkoordiniert und ungesteuert. Das Ausländerrecht gilt als kompliziert und nur für Fachleute durchschaubar.

Seit 1954 kamen 31 Millionen Menschen nach Deutschland. Im gleichen Zeitraum verließen 22 Millionen Menschen das Land. Das entspricht einer Nettozuwanderung von 9 Millionen. Fast 40 Prozent von ihnen leben hier bereits seit mehr als 15 Jahren.

Nach dem Krieg gab es mehrere Zuwanderungsschübe. Zuerst kamen Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus dem Osten. Ab Mitte der 50er Jahre bis zum Anwerbestopp 1973 zogen Millionen "Gastarbeiter" zu. Bis zum Mauerbau 1961 wurden Flüchtlinge aus der DDR - vor allem die hoch qualifizierten Arbeitskräfte - schnell vom deutschen Arbeitsmarkt aufgenommen. Seit vielen Jahren kommen Spätaussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

Aus humanitären Gründen nimmt Deutschland Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge vorübergehend oder für länger auf. Ausländer studieren an deutschen Universitäten. In der Landwirtschaft und im Hotel- und Gaststättengewerbe spielen sie als Saisonkräfte eine wichtige Rolle. Hinzu kommen schätzungsweise 500.000 bis eine Million Illegale, die in der "Schattenwirtschaft" arbeiten.

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder initiierte Green Card für ausländische Computerspezialisten löste eine Debatte über qualifizierte Fachkräfte aus, die auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nicht zu finden sind. Trotz hoher Arbeitslosigkeit können in Deutschland Hunderttausende von Stellen nicht besetzt werden.