Politik

Leben mit der Terrorgefahr Einzeltäter sind immer möglich

Der Anschlag in Stockholm verunsichert auch Deutschland. Gerade Attentate von fanatischen Einzeltätern sind nur begrenzt zu verhindern, gibt Bayerns Innenminister Herrmann zu bedenken. CSU-Innenexperte Uhl fordert schon bei der Antragstellung für ein Visum den Abgleich von Daten mit denen der Nachrichtendienste.

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Wenn sich ein Terrorist in eine große Menschenmenge mischt, sind die Sicherheitskräfte beinahe machtlos.

(Foto: dpa)

Die Sicherheitsbehörden sehen auch in Deutschland die Gefahr von Terroranschlägen durch Einzeltäter wie in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. "Das ist eine der beiden Hauptvarianten, die wir besonders befürchten für Terroranschläge auch in unserem Land", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im ZDF. "Nämlich ein fanatisierter Einzeltäter, der sich aus sich heraus selbst entschließt, an diesem sogenannten Heiligen Krieg gegen den Westen, gegen das Christentum, gegen den Kapitalismus, was auch immer, teilzunehmen und dann selbst solche Bomben bastelt."

Herrmann ergänzte: "Wir müssen fürchten, dass es solche auch in unserem Land gibt." Es gebe hierzulande schätzungsweise 50 bis 80 Personen, die auch schon an Ausbildungslagern in Pakistan und Afghanistan teilgenommen hätten. Mit mehr Polizeipräsenz ließen sich Anschläge von Einzeltätern nur begrenzt verhindern. "Sie sehen das dem ja nicht an. Wir können sicherlich nicht jetzt in jeder Einkaufstraße in Deutschland jeden Passanten kontrollieren, ob er unter seinem Mantel einen Sprengstoffgürtel hat." Hier stoße man an die Grenzen von Sicherheitsmaßnahmen. Die Sicherheitsbehörden müssten solche Aktionen möglichst im Vorfeld aufklären.

Daneben bestehe als zweite Variante für einen möglichen Anschlag die Gefahr, dass Terrorkommandos, die auch noch besser ausgebildet seien, aus dem Ausland einreisen, sagte der bayerische Innenminister. Hier sei dann eher Polizeipräsenz gefragt, um solche Kommandos rechtzeitig zu stoppen.

Visa-Warndatei

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Wer in einer deutschen Botschaft ein Visum beantragt, soll auf einen terroristischen Hintergrund durchleuchtet werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl  hatte zuvor bereits gefordert, Deutschland müsse angesichts der Terrorgefahr seine Visavergabe verschärfen. Es müsse zügig damit begonnen werden, Visa-Anträge mit den Daten von Terrorverdächtigen der Nachrichtendienste abzugleichen, sagte Uhl der "Leipziger Volkszeitung".

"Natürlich brauchen wir eine Visa-Warndatei", erklärte er. Es könne nicht sein, "dass Terroristen in einer deutschen Botschaft irgendwo auf der Welt ein Visum beantragen und es auch bekommen, um anschließend einen Bombenanschlag in Deutschland durchzuführen".

Sicherheitswarnungen unverändert

Nach dem Attentat betonte das Bundesinnenministerium, man sehe keinen Grund, die Sicherheitsvorkehrungen weiter zu verstärken. Nach bisherigem Kenntnisstand gebe es keinen Bezug zu Deutschland, sagte eine Sprecherin. Außenminister Guido Westerwelle erklärte: "Angriffe wie dieser machen deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen in unserem Engagement gegen den Terrorismus."

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), sprach sich für eine Beibehaltung der erhöhten Sicherheitsstandards aus. "Der Terroranschlag in Schweden macht deutlich, wie ernst die Situation ist", sagte Bosbach der "Rheinischen Post". "Für Deutschland heißt das, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Entwarnung geben können. Wir werden noch über Weihnachten bis in das neue Jahr hinein das hohe Niveau der Sicherheitsvorkehrungen halten müssen." Anschließend müsse die Lage je nach Analyse der Sicherheitsdienste neu bewertet werden.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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