Politik

EU kritisiert Varosha-Pläne Erdogan will Geisterstadt wiederbeleben

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Die verlassenen Gebäude in Varosha sollen wieder mit Leben gefüllt werden.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Die zyprische Stadt Varosha avanciert in den 1970er-Jahren zu einer Touristenhochburg, aus der nach einem territorialen Konflikt eine Geisterstadt wird. Der türkische Präsident will den alten Glanz von Varosha wieder aufleben lassen - allerdings ohne Zustimmung Zyperns.

Bei einem Besuch in dem von der Türkei besetzten Nordteil der Insel Zypern hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die Öffnung der Geisterstadt Varosha weiter vorangetrieben. "Das Leben in Varosha wird wieder beginnen", sagte der Staatschef in Anwesenheit des nordzypischen Präsidenten Ersin Tatar. Die EU nannte das Vorgehen Erdogans "inakzeptabel".

Der von der Türkei kontrollierte Küstenort liegt direkt an der UN-Pufferzone zwischen dem türkischen Nord- und dem griechischen Südteil der Mittelmeerinsel. Zypern ist seit 1974 in einen griechisch-zyprischen Süden und einen türkisch-zyprischen Norden geteilt; damals wurde der nördliche Teil der Mittelmeerinsel von der Türkei besetzt. Die UNO bemüht sich seit Langem um eine Vermittlung, bisher ohne Erfolg.

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Die Straßen in Varosha sind fast menschenleer.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Die Türkei ist der einzige Staat, welcher die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern anerkennt. Erdogan hält sich seit Montag anlässlich des 47. Jahrestages der türkischen Invasion in Nordzypern auf. Zum Auftakt der Reise erneuerte er seine Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung für Zypern. Geht es nach dem türkischen Staatschef, soll Varosha Nordzypern zufallen.

Erdogan bot am Dienstag erneut eine finanzielle Entschädigung für griechische Zyprioten an, die 1974 die Stadt und ihr Eigentum verlassen mussten. Nordzyperns Präsident Tatar kündigte unterdessen die "zweite Phase" der Wiedereröffnung von Varosha an, einem einst beliebten Ferienort, in dem auch Hollywood-Prominenz ihren Urlaub verbrachte. Wenige Wochen vor der Wahl Tatars hatte die türkische Armee den öffentlichen Zugang zu Teilen der Strandpromenade wiederhergestellt.

Erdogan attackiert griechische Zyprioten

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell kritisierte die Pläne am Dienstag scharf. Die angekündigten Pläne zur weiteren Öffnung Varoshas stellten eine "inakzeptable einseitige Entscheidung" dar. Die international anerkannte Regierung in Nikosia betont immer wieder, dass Varosha eine "rote Linie" sei. Vor seiner Visite in Varosha besuchte Erdogan die geteilte zyprische Stadt Nikosia.

Die Wiederaufnahme eines Verhandlungsprozesses im Zypern-Konflikt könne nur "zwischen zwei Staaten" erfolgen, sagte Erdogan dort. Die "Souveränität" des Nordteils von Zypern und seine "Gleichberechtigung" mit der Republik Zypern müsse anerkannt werden. "Ohne die Anerkennung der Tatsache, dass es zwei Völker und zwei Staaten gibt, können keine Fortschritte erzielt werden", sagte Erdogan. Den griechischen Zyprioten warf er vor, auf eine "maximalistische" und "unaufrichtige" Position zu bestehen, die "von der Realität losgelöst" sei. "Sie sind nicht ehrlich", betonte Erdogan. Denselben Vorwurf erhob er auch gegen die EU.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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