Jüdisches Museum BerlinFeierliche Eröffnung
Bundespräsident Rau hat bei der Eröffnung des Jüdischen Museums dazu aufgerufen, die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Juden nicht auf den Holocaust zu beschränken.
Bundespräsident Johannes Rau hat bei der Eröffnung des Jüdischen Museums in Berlin dazu aufgerufen, die gemeinsame Geschichte von Deutschen und Juden nicht auf den Holocaust zu beschränken. "Wir müssen die Erinnerung an diese Katastrophe wach halten", sagte Rau. Das dürfe aber nicht zu dem Fehlschluss führen, dass der Holocaust die Summe der deutsch-jüdischen Geschichte sei.
Vor 850 geladenen Gästen, unter ihnen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger, spielte das Chicago Symphony Orchestra in der Philharmonie Gustav Mahlers siebte Sinfonie. Dirigiert wurde das Orchester von Daniel Barenboim.
Im Anschluss an das Konzert fand im Museum ein Gala-Dinner statt. Nach dem Tag der Prominenz werden am Montag Sponsoren und Geldgeber durch den Libeskind-Bau geführt. Für die Allgemeinheit ist das Museum ab Dienstag zugänglich.
Ein Museum für Toleranz
Museumsdirektor W. Michael Blumenthal betonte bei der Eröffnung, 2000 Jahre deutsch-jüdischer Geschichte böten negative wie positive Beispiele für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Traditionen. Die Ausstellung zeige auch die Kosten für die Gesellschaft, wenn Minderheiten ausgegrenzt und verfolgt werden.
Zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, vor zu hohen Erwartungen an das Museum gewarnt. "Man darf nach der Eröffnung nicht alles andere zur Seite schieben", sagte Spiegel im ZDF. Die Gesellschaft habe sich an Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus gewöhnt. "Ich kenne keinen Fleck in Deutschland, wo Minderheiten hingehen und sagen: Hier bin ich sicher", meinte Spiegel.