Politik

Heuss-Preis für Grünen-Urgestein Feierstunde für Cohn-Bendit gerät zum Eklat

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Die Theodor-Heuss-Stiftung vergibt ihren Preis an Cohn-Bendit für seine vorbildliches demokratisches Verhalten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit erhält in Stuttgart den Theodor-Heuss-Preis. Draußen schlägt ihm und den Gästen der Ehrung blanke Wut entgegen. Kritiker werfen ihm vor, Kinder missbraucht zu haben oder in früheren Aussagen Sex mit Minderjährigen zumindest verharmlost zu haben.

Begleitet von heftiger Kritik an seinen früheren Äußerungen über Intimitäten mit Kindern hat der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit den Theodor-Heuss-Preis erhalten. In seiner Dankesrede distanzierte sich der langjährige Europa-Abgeordnete unter Tränen von seinen Aussagen in den 70er und 80er Jahren und betonte, er habe sich nie an Kindern vergriffen. "Kritisiert mich für das, was ich geschrieben habe, bis zu meinem Tod - aber jagt mich nicht für etwas, was ich nicht getan habe."

Seine damaligen Äußerungen - etwa über erotische Spiele mit Kindern - seien eine "unerträgliche Provokation" und hätten "so nicht geschrieben werden dürfen". Cohn-Bendit ordnete sie ein in den historischen Kontext der 68er-Bewegung, die von Tabu-Brüchen geprägt gewesen sei. Ausgelöst hatte die Debatte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, der seine Festrede für Cohn-Bendit abgesagt hatte. Er wolle den Eindruck vermeiden, das Gericht billige Aussagen wie die Cohn-Bendits.

Kretschmann verteidigt Cohn-Bendit

Neben Cohn-Bendit war auch dessen alter Grünen-Freund, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, in die Kritik geraten. Er widersetzte sich wiederholter Aufforderung, von seinem geplanten Grußwort Abstand zu nehmen. Kretschmann argumentierte, Cohn-Bendits Äußerungen seien zwar unerträglich, doch bestehe ein Unterschied zwischen Worten und Taten. Daraufhin warfen ihm Liberale und Christdemokraten vor, Kindesmissbrauch zu verharmlosen und die Opfer zu verhöhnen. In seiner Rede warb der Ministerpräsident für Verzeihen, auch wenn die Äußerungen seines Parteifreundes "höchst prekär" und "unakzeptabel" seien: "Vergebung ist in der Demokratie elementar, es macht gerade ihre Stärke aus".

Angelehnt an das Jahres-Motto der Stiftung "Neue Wege in der Demokratie" sagte der Vorsitzende Ludwig Theodor Heuss - ein Enkel des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss - , wer neue Wege suche, gehe gelegentlich auch in die Irre. Dies gelte für die beanstandeten, auch aus seiner Sicht abstoßenden Textpassagen in Cohn-Bendits Schrift von 1975. Doch sei kein Straftatbestand erfüllt gewesen, und Eltern hätten Cohn-Bendit in Schutz genommen. Für eine "Hetzjagd" bestehe kein Grund.

Vertreter eines Opfer-Verbandes und die Junge Union kritisierten vor der Veranstaltung die Ehrung des 68-jährigen Cohn-Bendit. Mit "Schämt Euch"-Rufen empfingen etwa 70 Demonstranten die Gäste der Veranstaltung. Auf den Plakaten der Protestierenden war zu lesen: "Heuss-Preis für Kinder-Sex" und "Missbrauch darf nicht salonfähig werden".

Quelle: ntv.de, dpa/AFP

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