Politik

"Hart aber fair" Für wen ist Deutschland Heimat?

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"Hart aber fair"-Runde zum Thema "Heimat".

(Foto: WDR/Dirk Borm)

In den vergangenen Jahren hat ein Begriff eine Renaissance gefeiert, den man vorher vor allem mit kitschigen Almöhi-Filmen in Verbindung gebracht hat: Heimat. Mittlerweile gibt es sogar ein eigenes Heimatministerium - und eine große Frage, die beantwortet werden will.

Wenn man im Duden das Wort "Heimat" nachschlägt, liefert das Rechtschreibwörterbuch folgende Definition: "Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt." Auf dem Papier ist die Frage nach der Heimat also mit einem Satz beantwortet: Wer sich in Deutschland zu Hause fühlt, der ist es auch - ganz egal, wo er herkommt. Im echten Leben ist die Sache allerdings alles andere als klar, der Begriff der Heimat stark emotional aufgeladen. "Heimat Deutschland - nur für Deutsche oder offen für alle?", will Frank Plasberg bei "Hart aber fair" wissen.

Am Montagabend diskutieren der stellvertretende bayrische Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler), die Kabarettistin Idil Baydar, der "Bild"-Politikchef Nikolaus Blome, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sowie der Soziologieprofessor Armin Nassehi über ein Wort, das polarisiert.

"Meine Sorge ist, dass Heimat mit Abschottung in Verbindung gebracht und gleichgesetzt wird", versucht sich die Grünen-Politikerin Göring-Eckardt zu Beginn der Sendung mit einer Begriffsklärung. FW-Kollege Aiwanger erwidert: "Man muss den Menschen ihr Recht auf Heimat lassen. Wenn wir das schon wieder in die rechte Ecke rücken, bringen wir die Bombe doch schon wieder in Stellung." Das Erstaunliche dabei: Die beiden Politiker sind im Grunde genommen der gleichen Meinung, bleiben aber am Wort selbst hängen. Warum das so ist, weiß Professor Nassehi: "Uns fehlt ein gelassener Umgang mit dem Begriff Heimat, der so stark aufgeladen ist. Wer Heimat sagt, produziert entweder starke Gefühle in die eine oder starke Gefühle in die andere Richtung", sagt der Soziologe.

Auch Thüringer wollen integriert werden

Nassehi nimmt mit seinem Kommentar den weiteren Verlauf der Sendung quasi vorweg, starke Gefühle bestimmen nämlich tatsächlich einen Großteil des 75-minütigen Talks. Vor allem Idil Baydar geht mit einer Wucht in die Diskussion, die zeigt, dass die Kabarettistin eine ziemlich lange Liste an Negativerfahrungen mit dem Thema hat. "Ich bin eben ein leidenschaftlicher Mensch. Und wenn Sie, Herr Blome, keinen Puls haben, dann kann ich Ihnen auch nicht helfen", wirft Baydar dem "Bild"-Journalisten entgegen. Der hatte zuvor gesagt, dass, "wer zu uns kommt und sich Heimat erwerben will, ganz schön in der Bringschuld" sei. Darauf Baydar: "Wie verhält sich das denn mit mir? Ich bin ja schon in der zweiten Generation, es gibt mittlerweile eine dritte und sogar vierte. Und trotzdem muss ich mich immer wieder rechtfertigen."

Bis auf Blome ist sich die Runde einig, dass derlei Reduzierungen auf Oberflächlichkeiten fehl am Platz sind, wenn es darum geht, eine Heimat für alle zu schaffen. Oder, wie es der Soziologe Nassehi formuliert: "Wenn wir Frau Göring-Eckardt nur über ihre thüringische Herkunft definieren würden, dann hätten wir ein Problem mit der Integration von Thüringern." Und das haben wir ja nun wirklich nicht. Stimmt doch, oder?

Quelle: n-tv.de