Politik
Samstag, 07. August 2010

Spenden-Initiative in den USA: Gates bat auch deutsche Milliardäre

Der zweitreichste Mann der Welt, Microsoft-Gründer Gates, kontaktierte offenbar auch deutsche Superreiche. Sein Anliegen stößt hier allerdings auf taube Ohren. "Das ist zu marktschreierisch", sagt der Vermögensverwalter eines Milliardärs. Auch der Hamburger Multimillionär Krämer übt Kritik an der US-Aktion.

Ist die Kritik an deutschen Superreichen gerechtfertigt? Viele machen ihr soziales Engagement nicht öffentlich, sagt Ambros Schindler vom Deutschen Stiftungszentrum im Gespräch mit n-tv.de.
Ist die Kritik an deutschen Superreichen gerechtfertigt? Viele machen ihr soziales Engagement nicht öffentlich, sagt Ambros Schindler vom Deutschen Stiftungszentrum im Gespräch mit n-tv.de.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Im Zuge seiner Milliardäre geben Milliarden hat Microsoft-Gründer Bill Gates auch deutsche Milliardäre kontaktiert. Das berichtet das Magazin "Spiegel". Diese hätten jedoch das Ansinnen von Gates abgelehnt, die Hälfte ihres Vermögens abzugeben. Der Bericht beruft sich auf den Vermögensverwalter eines der kontaktierten Milliardäre. "Das ist den Leuten zu marktschreierisch", sagte der Vermögensverwalter, der nicht namentlich genannt wurde. Gates hat in den USA Vermögende für seinen Aufruf gewonnen, die Hälfte ihres Besitzes zu spenden.

Viele deutsche Vermögende hätten längst deutlich größere Teile ihres Vermögens in gemeinnützige Stiftungen überführt, sagt er weiter. So habe SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp nicht nur den Fußballclub TSG 1899 Hoffenheim, sondern auch Vermögenswerte von rund 2,9 Milliarden Euro in eine Stiftung gegeben. Klaus Tschira, ebenfalls Teil der SAP-Gründergeneration, hat demnach über die Hälfte seines Vermögens in Stiftungen überführt.

"In Deutschland ist man diskreter"

Ambros Schindler, Leiter des Deutschen Stiftungszentrums, teilt die Auffassung des anonymen vermögensverwalters, die Aktion sei den deutschen Superreichen zu offensiv. "Bei uns vertreten viele die Meinung: Über Geld spricht man nicht.  Da ist man diskret", sagte er im Milliardäre sollen spenden . Die Mentalität in den USA sei eine andere. Auch in Deutschland würden viele Milliardäre ihr Geld in Stiftungen stecken, ließen dies aber "nach außen hin nicht erkennbar werden".

Seiner Ansicht nach erweisen die derzeitigen Forderungen nach Erhöhung der Einkommenssteuer oder die Einführung der Vermögenssteuer in diesem Kontext dem Stiftungswachstum in Deutschland einen Bärendienst. "Der Aufbau von moralischem und/oder steuerlichem Druck erschwert und verhindert Entscheidungen von Stiftern zur Übertragung von Vermögen an gemeinnützige Stiftungen", sagt er.

Hilfsorganisationen skeptisch

Die Aktion "Deutschland hilft", ein Bündnis großer Hilfsorganisationen, sieht das Versprechen der US-Milliardäre, skeptisch. "Ich bin tatsächlich geteilter Meinung. Das eine ist, dass es immer gut ist, seine Sympathie zu signalisieren mit Menschen, denen es nicht so gut geht, und zu spenden", sagte die Geschäftsführerin Manuela Roßbach. Aber bei den in den USA zugesagten Dimensionen müsse man sich fragen, wohin die Spenden gehen sollen. "Sind das vielleicht auch Zwecke, die der Staat erfüllen könnte?"

Spendenaktion "höchst problematisch"

"Das ist alles nur ein schlechter Transfer von der Staatsgewalt hin zum Milliardärsgusto", bewertet der Hamburger Multimillionär Peter Krämer die Aktion der US-Superreichen.
"Das ist alles nur ein schlechter Transfer von der Staatsgewalt hin zum Milliardärsgusto", bewertet der Hamburger Multimillionär Peter Krämer die Aktion der US-Superreichen.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Hamburger Reeder und Multimillionär Peter Krämer kritisierte die Spendenaktion von Bill Gates. "Ich finde diese US-Aktion höchst problematisch", sagte Krämer, der seit langem für eine höhere Besteuerung von Vermögenden eintritt, dem "Spiegel". Weil Spenden in den USA zum großen Teil steuerlich absetzbar seien, würden Reiche entscheiden, ob sie lieber spenden oder Steuern zahlen, sagte Krämer. "Die Spender treten an die Stelle des Staates. Das geht nicht. Das ist alles nur ein schlechter Transfer von der Staatsgewalt hin zum Milliardärsgusto."

Krämer fügte hinzu: "Nicht der Staat soll entscheiden, was gut für die Menschen ist, sondern die Reichen wollen dies bestimmen. Das ist eine Entwicklung, die ich wirklich schlimm finde. Wer legitimiert diese Menschen zu entscheiden, wo solche riesigen Beträge hinfließen."

Deutschen Reichen empfahl Krämer, nicht in dieser Form ihr Geld abzugeben. Sinnvoller sei es, gemeinsam mit etablierten Organisationen zusammenzuarbeiten und zu spenden. Krämer trat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Forderungen in Erscheinung, Reiche wie er sollten von der öffentlichen Hand stärker zur Kasse gebeten werden.

Steuererhöhungen in Milliardenhöhe

Die SPD schlägt in einem Eckpunkt-Papier offenbar Steuererhöhungen in Milliardenhöhe vor.
Die SPD schlägt in einem Eckpunkt-Papier offenbar Steuererhöhungen in Milliardenhöhe vor.(Foto: dpa)

Unterdessen will die SPD Besserverdienende und Vermögende künftig deutlich stärker belasten. Eine Arbeitsgruppe der SPD, die im Auftrag des Parteivorstandes für den Parteitag Ende September Eckpunkte erarbeiten soll, schlägt einen Mix verschiedener Steuererhöhungen in Milliardenhöhe vor, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet.

So soll etwa der Spitzensteuersatz auf 50 Prozent angehoben werden, wie der Leiter der Arbeitsgruppe, SPD-Fraktionsvize Joachim Poß, der Zeitung sagte. Derzeit liegt der reguläre Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, für Einkommen über rund 250.000 Euro gilt die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent.

Der Spitzensteuersatz war von der rot-grünen Regierung von einst 53 Prozent auf 42 Prozent gesenkt worden. Die Reichensteuer wurde von der großen Koalition eingeführt. Wie Poß weiter mit Blick auf das Papier der Arbeitsgruppe sagte, solle die Abgeltungssteuer auf Aktiengewinne und Zinseinkünfte von derzeit 25 Prozent auf 30 Prozent steigen. Die von der großen Koalition eingeführte Steuer ist bei 25 Prozent gedeckelt.

"Spenden können Steuern nicht ersetzen"

Zuvor hatten Steuerzahler Zinsen und Aktien mit dem Steuersatz der Einkommensteuer versteuert. Die unter der Regie von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) eingeführte Abgeltungssteuer entlastet daher höhere Einkommen, für niedrige Einkommen blieb die Belastung gleich.

Bilderserie

Die SPD strebt laut Poß außerdem an, die Erbschaftsteuer-Regelungen zu verschärfen, die Vermögensteuer für private Vermögen wiederzubeleben und eine Finanztransaktionssteuer einzuführen. "Begrüßenswerte Spenden für sinnvolle soziale und kulturelle Zwecke können den notwendigen finanziellen Beitrag vermögender Steuerpflichtiger zur Finanzierung unseres Gemeinwesens nicht ersetzen", sagte Poß.

Quelle: n-tv.de

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