Plan für WiederaufbauGaza-Verwalter will Trümmer zu neuen Inseln aufschütten

Der Gazastreifen liegt nach dem Ende der Kampfhandlungen in Trümmern. Ein Verwalter verfolgt ehrgeizige Ziele: Binnen drei Jahren soll der Wiederaufbau der Infrastruktur gelingen. Für den Umgang mit den gigantischen Schuttmengen hat er einen pragmatischen Plan.
Der zum neuen Gazastreifen-Verwalter ernannte Palästinenser Ali Schaath hat ein erstes Konzept für den Wiederaufbau vorgelegt. "Wenn ich Bulldozer hole und die Trümmer ins Meer schiebe und neue Inseln, neues Land schaffe, kann ich neues Land für Gaza gewinnen und gleichzeitig die Trümmer beseitigen", sagte er in einem Radiointerview. So wolle er die geschätzt 68 Millionen Tonnen Trümmer beseitigen.
Die zerstörte Infrastruktur könne innerhalb von drei Jahren wieder aufgebaut werden. Priorität habe jedoch die Nothilfe, einschließlich von Unterkünften für Vertriebene. Danach folge die Sanierung der lebenswichtigen Infrastruktur und anschließend der Wiederaufbau von Häusern. "Gaza wird zurückkehren und innerhalb von sieben Jahren besser sein als zuvor", sagte er. Einem UN-Bericht von 2024 zufolge wird der Wiederaufbau jedoch mindestens bis 2040 dauern.
Die Ernennung des Bauingenieurs Schaath markiert die nächste Phase eines von US-Präsident Donald Trump unterstützten Plans zur Beendigung des Krieges im Gazastreifen. Israel hat sich in diesem Rahmen aus fast der Hälfte des Gazastreifens zurückgezogen, seine Truppen kontrollieren jedoch weiterhin die andere Hälfte, in der die meisten Gebäude zerstört sind.
Hamas unterstützt Komitee
Schaath, 1958 in Chan Junis im südlichen Gazastreifen geboren, war zuvor stellvertretender Planungsminister in der Palästinensischen Autonomiebehörde im besetzten Westjordanland. Er wird eine Gruppe von 15 palästinensischen Technokraten leiten, die den Küstenstreifen nach jahrelanger Herrschaft der militanten Hamas verwalten soll. Schaath sagte, der Zuständigkeitsbereich des Komitees werde mit dem von der Hamas kontrollierten Gebiet beginnen und sich schrittweise ausdehnen, wenn sich das israelische Militär weiter zurückzieht.
Die Einschätzungen Schaaths dürften jedoch auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen. So ringen die Vermittler um eine Einigung über die Entwaffnung der Hamas, die sich weigert, ihre Waffen niederzulegen. Zudem ist unklar, wie das Komitee die Genehmigungen für die Einfuhr von schwerem Gerät erhalten soll, dessen Einfuhr Israel aus Sicherheitsgründen im Allgemeinen verbietet. Israel äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zur Ernennung Schaaths und seinen Plänen.
Das Komitee wird von der Hamas unterstützt. Der Hamas-Vertreter Bassem Naim sagte, der "Ball liegt nun bei den Vermittlern, dem amerikanischen Garanten und der internationalen Gemeinschaft, um das Komitee zu befähigen". Israel und die Hamas hatten sich im Oktober auf den stufenweisen Plan von Trump geeinigt. Dieser umfasste einen Waffenstillstand, den Austausch von Geiseln gegen palästinensische Gefangene und mehr humanitäre Hilfe. Das Abkommen wurde jedoch durch israelische Luftangriffe, die Verzögerung bei der Übergabe der sterblichen Überreste einer letzten israelischen Geisel und Verzögerungen bei der Wiedereröffnung des Grenzübergangs zu Ägypten erschüttert.