Politik

Da blubbert's in der Wanne Gewerkschaft sticht Parteien mit Wahlspot aus

Die IG Metall setzt kurz vor der Bundestagswahl auf eine Mobilisierungskampagne im Internet. Mit einem Videoclip ruft sie ausgesprochen deutlich dazu auf, Schwarz-Gelb abzuwählen. Selbst vor Fäkalhumor schreckt die Gewerkschaft dabei nicht zurück.

Was haben pupsende Frauen, der Extremsportler Felix Baumgartner und weinende Topmodels gemeinsam? Sie spielen eine tragende Rolle im Wahlspot der Gewerkschaft IG Metall. Und sie sorgen dafür, dass der Clip auf Youtube selbst den Werbefilmchen der großen Parteien Konkurrenz macht.

Die IG Metall hat den knapp drei Minuten langen Film mit dem Titel "Geh wählen" Anfang der Woche auf dem Videoportal veröffentlicht. Schon jetzt haben ihn mehr als 270.000 Nutzer gesehen. Zum Vergleich: Der Spot der Linken schafft es nur auf 67.000 Aufrufe, der Film der Grünen auf 75.000. Bei der Volkspartei SPD sind es nicht mehr als 98.000. Und selbst die Mitglieder der schwarz-gelben Koalition können lediglich gleichziehen, obwohl deren Werbefilme schon seit mehr als einer Woche im Netz stehen.

Wie ist das möglich? Der Erfolg der Gewerkschaftskampagne ist letztlich kein großes Geheimnis. Im Gegensatz zu den Parteien macht sich die IG Metall mit dem Clip geschickt den Stil des Videoportals zu eigen.

Youtube-Ästhetik statt Hochglanz

Die Parteien setzen wie gewohnt auf makellos glatte Bilder ihrer Spitzenkandidaten. Sie lassen ihre Politiker knackige Zitate säuseln - untermalt von emotionalen Klängen, die das Lebensgefühl der jeweiligen Klientel ansprechen sollen. Das mag im Fernsehen funktionieren, im reizüberflutenden Netz lockt das niemanden. Die IG Metall verzichtet dagegen auf aufwendige Inszenierungen. Die Gewerkschaft setzt den Nutzern ein billig produziertes Medley aus bekannten Youtube-Clips und Schnipseln aus Fernsehsendungen vor, verbindet sie allerdings gekonnt mit ihren Botschaften – teils voller Ironie, teils voller Hohn. Das passt nicht nur zum Medium, sondern auch zum Humor auf Plattformen wie Youtube.

In weißen Lettern auf schwarzen Grund erscheinen gleich zu Beginn des Clips die Worte: "Deutschland entspannt sich." Kurz darauf ist eine Frau zu sehen, der in einem Wellnessbad offensichtlich ein Furz entfährt. Eine dicke Luftblasse blubbert an die Wasseroberfläche. "2013 sind alle wichtigen Entscheidungen gefallen", ist dann zu lesen. Gefolgt von Aufnahmen der Landung vom Extremsportler Baumgartner nach seinem Rekordversuch und der vor Glück zu Tränen gerührten Siegerin der Heidi-Klum-Show "Germanys next Topmodell". Es folgen etliche Anspielungen darauf, dass die Mehrzahl der Deutschen glaubt, dass es nichts mehr gebe, wofür es sich zu kämpfen lohnt, dass die Wahl längst entschieden ist.

Genervte Paketdienstleister und tattrige Chirurgen

Natürlich sieht die IG Metall die Sache anders. Und natürlich warnt sie davor, sich vom Regierungsstil von Kanzlerin Angela Merkel einschläfern zu lassen. Denn Probleme gibt es laut der Gewerkschaft genug. Und auch das macht der Clip selbstredend überdeutlich. Zu sehen ist ein entnervter Postdienstleister, der Pakete mit aller Kraft auf ein Laufband feuert. "Miese Jobs?" Zu sehen ist ein hyperaktives Kind, das sich in einem Einkaufszentrum die Seele aus dem Leib kreischt. "Zu wenig Betreuungsplätze?" Und auch einen tattrigen Chirurgen, der sein Skalpell mit zittriger Hand an seinen Patienten führt, zeigt der Film. "Lieber früher in Rente?"

Offiziell gibt sich die IG Metall mit dem Spot neutral. Er soll angeblich nur zum Wählen mobilisieren. Doch auch, wenn die Pressesprecher der Gewerkschaft abstreiten, mit dem Clip eine Wahlempfehlung abgeben zu wollen, ist diese doch allzu deutlich. Bei all den schrägen verpixelten Youtube-Bildern und den staccatoartig aneinandergehefteten Wortsalven bleibt ein recht nüchterner Satz hängen. Es sind die Worte von Peer Steinbrück. Der SPD-Kanzlerkandidat sagt: "Diese Bundesregierung glaubt, sie könnte damit durchkommen, uns alle einzulullen."

Quelle: n-tv.de

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