Politik

Trauer um Toten verboten Geistliche feiern Mord in Pakistan

Islamische Geistliche in Pakistan warnen davor, öffentlich um den ermordeten Provinzgouverneur Taseer zu trauern. Taseer war ein erklärter Gegner des pakistanischen Blasphemie-Gesetzes. Das ist auch der Grund, warum er ermordet wurde.

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Dennoch wird in Pakistan getrauert: Pakistans Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani (M.) inmitten von Mitgliedern seiner Regierung und seiner Partei.

(Foto: AP)

Mehrere hundert islamische Theologen haben vor Trauerbekundungen für den ermordeten pakistanischen Provinzgouverneur Salman Taseer gewarnt. Die mehr als 500 Geistlichen erklärten, wer "Gotteslästerungen" unterstütze, mache sich selbst der Blasphemie schuldig.

In Pakistan kann Blasphemie mit dem Tod bestraft werden. Gouverneur Taseer hatte sich vehement für eine Abschaffung des Gesetzes stark gemacht, nachdem im November eine pakistanische Christin zum Tod durch den Strang verurteilt worden war. Die Frau soll sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben. Die Mutter von fünf Kindern hatte dies vor einem Gericht in der Provinz Punjab jedoch bestritten. Das Urteil hatte weltweit Bestürzung ausgelöst und war unter anderem von Papst Benedikt XVI. massiv kritisiert worden.

Mord soll "Warnung" sein

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Leibwächter Mumtaz Qadri (M.) vor dem Gericht in Islamabad.

(Foto: AP)

Die Geistlichen erklärten, der Mord an Taseer sollte für die Gegner des Blasphemie-Gesetzes eine Lektion sein. Der Politiker der regierenden Pakistanischen Volkspartei (PPP) war am Dienstag am helllichten Tage vor einem Einkaufszentrum von einem seiner Leibwächter getötet worden und wurde am Mittwoch in Lahore beigesetzt.

Die Warnung vor Trauer um Taseer kam von Geistlichen, die eine eigentlich liberale Auffassung des Islam vertreten und scharfe Kritiker der Taliban sind. Auf der anderen Seite hat die Gruppe Protestdemonstrationen für das Gesetz gegen Gotteslästerungen angeführt. Die Geistlichen würdigten in ihrer Erklärungen den "Mut" und die Konsequenz des Attentäters auf die alle Muslime stolz sein könnten. In Pakistan sind mehr als 95 Prozent der 170 Millionen Einwohner Muslime.

Mörder wird bejubelt

Der nach der Tat festgenommene Leibwächter Taseers gehörte zu einer Eliteeinheit der Polizei. Beim Verlassen eines Gerichts rief er: "Um dem Propheten zu dienen, ist der Tod akzeptabel". Der Leibwächter, der die Tat einräumte, wurde von Befürwortern des Gesetzes begeistert empfangen. Sie warfen Rosenblätter und schrien "Allahu akbar" ("Gott ist der Größte"). Im Fernsehen wurde der Leibwächter mit der Aussage zitiert, der Politiker habe die Strafe für die Gotteslästerung erhalten.

An der Trauerfeier für seinen Parteifreund Taseer nahmen am Mittwoch Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani und andere hochrangige Regierungsvertreter teil. Tausende Menschen erwiesen dem ermordeten Politiker bei der Gedenkveranstaltung in seiner Residenz die letzte Ehre und schwenkten Flaggen der pakistanischen Volkspartei.

Nach dem pakistanischen Blasphemie-Gesetz werden "abwertende Äußerungen usw. über den Heiligen Propheten (...) unverzüglich oder mittelbar mit dem Tode oder lebenslanger Haft bestraft". Menschenrechtsgruppen beklagen, der Wortlaut des Gesetzes lade zu Missbrauch ein. Besonders die kleine christliche Minderheit des Landes sieht sich bedroht. Verurteilungen beruhten vorwiegend auf Zeugenaussagen, die häufig von persönlichen Rachegelüsten getrieben seien. Menschenrechtler sprechen deshalb von einer faktischen Todesstrafe durch bloße Anschuldigung. Tatsächlich sind Verurteilungen wegen Blasphemie an der Tagesordnung. Die Todesstrafe wurde bislang jedoch noch nicht vollstreckt.

Quelle: n-tv.de, hvo/rts

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