Politik

PorträtGeorge Harrison

30.11.2001, 09:55 Uhr

George Harrison galt immer als der "stille Beatle". Doch im vermeintlichen Schatten der musikalischen Köpfe der Band, John Lennon und Paul McCartney, schuf auch der Leadgitarrist einige Songs, die in die Musikgeschichte eingingen. Allen voran der Titel "Something", den Altmeister Frank Sinatra bei Veröffentlichung im Jahre 1969 als das "beste Liebeslied seit 50 Jahren" bezeichnete.

Tatsächlich blieb "Something" der einzige Harrison-Song, der je auf der A-Seite einer Beatles-Single erschien. Ansonsten waren es stets Kompositionen von Lennon und/oder McCartney, die auf diesen begehrten Platz kamen.

Von den Quarrymen zu den Beatles

Harrison war nach Auflösung der Beatles am 10. April 1970 dennoch glücklich, Teil der "Fab Four" gewesen zu sein. Er war fast von Anfang an dabei. McCartney, der Lennon im Juli 1957 in Liverpool kennengelernt hatte, war es gewesen, der den am 25. Februar 1943 in Liverpool als Sohn eines Busfahrers geborenen George 1957 in die Band Quarrymen holte, weil der so gut Gitarre spielen konnte.

Harrison war auch dabei, als die Beatles Anfang der 60er Jahre in Hamburg gastierten. Hier sammelten sie nach eigenem Bekunden nicht nur musikalisch viel Erfahrung, sondern auch auf sexuellem Gebiet erschlossen sich für die vier jungen Männer (Drummer war damals noch Pete Best) neue Einblicke.

1962 erschien schließlich bei EMI die erste Single der Boygroup: "Love me do". Jetzt mit Ringo Starr am Schlagzeug. Der Titel fand Beachtung, doch erreichte er nicht die Nummer-Eins-Position. Die zweite Single "Please Please Me" aus der Feder von Lennon schaffte es schließlich an die Spitze der britischen Charts, gefolgt von zahllosen anderen Lennon/McCartney-Werken, darunter "She loves you" (1963), "I Want To Hold Your Hand" (1963), "Help" (1965), "Eleanor Rigby " (1966), "All You Need Is Love" (1967), "Lady Madonna" (1968) und "Let It Be " (1970).

Klassiker aus Harrisons Feder

Harrison war erstmals 1963 auf einem Beatles-Album - auf der LP "With The Beatles" - mit einem eigenen Song vertreten: "Dont Bother Me". Zuvor hatte er unter anderem Lennon/McCartney-Material singen dürfen. George steuerte im Laufe der Jahre 22 eigene Titel bei: Neben "Something" wurden "Taxman " (1966), "While My Guitar Gently Weeps" (1968) und "Here Comes The Sun" (1969) zu Klassikern. Harrison war es auch, der als Anhänger der Krishna-Bewegung die indische Musik auf Beatles-Platten brachte - zum Beispiel den Titel "Within Without You" (1967) - und der seine drei Freunde 1968 zu Meditationskursen nach Indien führte. Harrison hatte von Ravi Shankar das Sitar-Spiel gelernt - bereits 1965 zu hören auf der Lennon/McCartney-Komposition "Norwegian Wood (This Bird Has Flown)".

Schon 1968, noch zu Beatles-Zeiten, hatte sich Harrison als Solo-Künstler versucht: "Wonderwall" hieß seine Musik für einen recht bedeutungslosen Film. Doch er hatte nur wenig Erfolg. Dafür legte er nach der Auflösung der Band die bis heute erfolgreichste Solo-Platte von einem der vier Ex-Beatles vor: Das Dreifach-Album "All Things Must Pass" (1970) verkaufte sich millionenfach. Sehr erfolgreich als Single ausgekoppelt wurde der Titel "My Sweet Lord". Doch dafür wurde er später vor Gericht gezerrt. Der Vorwurf: unbeabsichtigtes Plagiat. Er musste einen großen Teil der Tantiemen abgeben.

"I Me Mine" - die Autobiografie

Weitere Soloplatten und erfolgreiche Singles folgten, darunter 1975 ein "Best of"-Album. 1979 legte Harrison überraschend seine Autobiografie vor, die er allerdings nie als solche bezeichnet wissen wollte: "I Me Mine", betitelt nach einem Song, der 1970 auf der Beatles-LP "Let It Be" erschienen war. Das mit vielen bis dato unbekannten Bildern versehene Buch war wegen der limitierten Auflage schnell vergriffen und ist längst ein begehrtes Sammlerobjekt - wie so viele andere Beatles-Devotionalien.

1976 ließ sich der Musiker nach zehnjähriger Ehe von seiner Frau Patti scheiden. Sie hatte eine Liason mit seinem Kollegen Eric Clapton begonnen. Aus der Verbindung mit Freundin Olivia ging 1978 Sohn Dhani hervor. Wenig später gab Harrison der Mutter seines Sohnes das Ja-Wort.

Nach dem gewaltsamen Tod von John Lennon am 8. Dezember 1980 zog sich Harrison zunehmend aus dem Musikgeschäft zurück. Die beiden LPs "Somewhere In England" (1981) - auf dieser Scheibe findet sich der Lennon-Tribut-Song "All Those Years Ago" - und "Gone Troppo" (1982) verkauften sich nur schlecht.

Harrison hatte bereits in den 70er Jahren als Filmproduzent von sich Reden gemacht. Und das tat er nun weiterhin. Berühmte Produktionen: Monty Pythons "Das Leben des Brian", "The Time Bandits" und "With Nail And I".

Erfolge mit den "Travelling Wilburys "

Harrisons letztes Studioalbum erschien 1987 unter dem Titel "Cloud 9". Mehrere Singles schafften den Weg in die Charts: "Got My Mind Set on You" und "When We Was Fab" - letzteres ein vergnüglicher Rückblick auf die Beatles-Jahre. Außerdem brachte der oft sehr ernst wirkende Harrison mit den "Traveling Wilburys" - eine Band mit Bob Dylan, Jeff Lynne, Roy Orbison und Tom Petty - ab Ende der 80er Jahre erfolgreich diverse Aufnahmen auf den Markt.

"Die Beatles wird es so lange nicht mehr geben, wie John Lennon tot ist", hatte Harrison nach Lennons Tod stets die Frage nach einer Wiedervereinigung beantwortet. Doch so lange mussten Fans dann doch nicht warten. 1995 erschien der erste Teil einer dreiteiligen Beatles-Anthologie: Doppelalben mit bisher nicht veröffentlichten Versionen der berühmten Songs. Darunter natürlich auch einige Harrison-Stücke. Außerdem hatten die drei noch lebenden Bandmitglieder zwei Lennon-Demo-Tapes aus den 70er Jahren aufbereitet, die mit guten Verkaufszahlen als Singles erschienen "Free As A Bird" und "Real Love".

Opfer eines Attentats

Im Dezember 1999 wäre Harrison beinahe - wie Jahre zuvor Lennon - einem Attentat zum Opfer gefallen. Ein Mann war in sein Haus eingebrochen und stach, als Harrison abends mit seiner Frau heimkam, auf den Ex-Beatle ein. Harrisons Frau Olivia brachte den Täter zur Strecke: Sie zerschlug eine Lampe auf seinem Kopf. Harrison musste mit Stichverletzungen stationär im Krankenhaus behandelt werden.

So wie die drei Anthology-Alben verkaufte sich auch die Bealtes-CD "1" sehr gut. Sie kam im Jahre 2000, 30 Jahre nach der Auflösung der Gruppe, auf den Markt und enthielt alle Nummer-1-Hits, die die Pilzköpfe in Großbritannien und in den USA landen konnten. Die Platte wurde zu einer der meistverkauften aller Zeiten.

Am 29. November 2001 verstarb George Harrison im Alter von 58 Jahren im Haus eines Freundes in Los Angeles. Er hatte seit mehreren Jahren an Krebs gelitten. Ehefrau Olivia und der 23 Jahre alte Sohn Dhani waren bei ihm.