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22 Tote bei Feuergefechten Gewalt eskaliert in Mazedonien

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Tausende Bewohner der Stadt sind auf der Flucht.

(Foto: imago/Xinhua)

Im EU-Kandidatenland Mazedonien spielen sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Heftige Feuergefechte erschüttern die drittgrößte Stadt des Landes. Die ohnehin angespannte politische Lage wird weiter angeheizt.

Eine großangelegte Polizeiaktion gegen bewaffnete Albaner ist im EU-Kandidatenland Mazedonien blutig eskaliert. Mindestens acht Polizisten und 14 Mitglieder der bewaffneten Gruppe kamen ums Leben. 37 Beamte seien bei den Kämpfen mit "Terroristen" verletzt worden, sagte die mazedonische Innenministerin Gordana Jankuloska. Es wurde erwartet, dass die Opferzahl noch steigt, weil die Regierung zunächst keine Angaben über Verluste unter den Bewaffneten und Zivilisten machte. Die Polizei sei von Heckenschützen beschossen und mit Granaten und automatischen Waffen angegriffen worden, sagte ein Sprecher.

Die EU-Kommission zeigt sich besorgt über die blutigen Auseinandersetzungen. Aus der mazedonischen Opposition wurde unterdessen die Regierung beschuldigt, den Konflikt inmitten einer politischen Dauerkrise gezielt angeheizt zu haben. Kumanovo ist die drittgrößte Stadt des Landes, die vor allem von der albanischen Minderheit bewohnt wird. Sie stellen insgesamt schätzungsweise bis zu 30 Prozent der zwei Millionen Einwohner des Balkanstaates. Die Mehrheit sind orthodoxe Slawen. Schon 2001 war es zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen gekommen, die durch Vermittlung der EU beendet werden konnten. Seitdem beschweren sich Albaner, die damaligen Absprachen seien von der Regierung nicht eingehalten worden.

Die Polizeiaktion hatte am Samstagmorgen begonnen. Die Ein- und Ausfahrten Kumanovos wurden mit gepanzerten Fahrzeugen blockiert. Über der Stadt kreisten Hubschrauber und Drohnen. Die Polizei evakuierte Teile der Bevölkerung und durchkämmte ein Albanerviertel. Über einigen Hausdächer stieg dichter Rauch auf. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der Bewaffneten auf bis zu 70. Am Samstagabend sollen sich 27 von ihnen den Sicherheitskräften ergeben haben, hieß es.

Angespannte politische Lage

Tausende Menschen flohen aus Kumanovo ins benachbarten Serbien. Auch dort wohnt eine albanische Minderheit, die oft auf Konfrontationskurs mit der Regierung in Belgrad geht. Serbien entsandte Spezialpolizei an die Grenze. Die mazedonische Regierung kam in Skopje zu einer Sondersitzung zusammen und rief für Montag und Dienstag Staatstrauer aus. Der geplante Skopje-Marathon wurde abgesagt. Eine weitere Eskalation müsse vermieden werden, erklärte der für Nachbarschaftspolitik verantwortliche EU-Kommissar Johannes Hahn am späten Samstagabend in Brüssel. Alle Beteiligten müssten Zurückhaltung zeigen.

Das an Mazedonien grenzende EU-Land Bulgarien äußerte sich besorgt. In einer Mitteilung rief das Außenministeriums in Sofia zu einem "verantwortungsvollen Verhalten im Namen der Stabilität der Republik Mazedonien und der Region" auf. "Mazedoniens Status als NATO- und EU-Anwärter erfordert schnelle, transparente und umfassende Ermittlung", heißt es weiter.

Erst vor drei Wochen hatten 40 Kosovo-Albaner die Kontrolle über eine Polizeiwache an der mazedonischen Grenze übernommen und die Bildung eines albanischen Staates in Mazedonien gefordert. Die Gewalt in Kumanovo droht die ohnehin angespannte politische Situation im Land weiter zu verschärfen. Die Regierung ist mit einem Korruptionsskandal konfrontiert und sieht sich Vorwürfen der Opposition ausgesetzt, illegal 20.000 Menschen abgehört zu haben.

Quelle: n-tv.de, bdk/dpa/AFP

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