Politik

"Kinderbraut" ab 400 Euro Handel mit Türkinnen blüht

Einige Türken sehen es als Teil einer Tradition, dabei ist es schlichtweg eine Straftat: Der Handel mit Mädchen, die an Heiratswillige verkauft werden. Offenbar läuft das Geschäft gut.

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Gerade schon legal: Die 17-jährige Reyyan bei ihrer Hochzeit mit Bilal, dem Sohn des türkischen Premierministers Receb Tayyip Erdogan.

(Foto: REUTERS)

Im Osten und Südosten der Türkei floriert einem Zeitungsbericht zufolge ein illegaler Handel mit sogenannten Kinderbräuten. Mädchen würden von ihren Familien für Summen von umgerechnet 400 bis 2000 Euro an Heiratswillige verkauft, berichtete die Zeitung "Cumhuriyet" . Die Justiz erfahre oft erst dann von dem Kinderhandel, wenn die Mädchen wegen einer Krankheit oder einer anstehenden Geburt ins Krankenhaus gingen.

Nach türkischem Recht gelten sexuelle Kontakte mit Kindern unter 15 Jahren als Straftat; das Mindestalter für eine Heirat liegt bei 17 Jahren. Nach Angaben von Experten sieht ein Großteil der Gesellschaft in manchen Regionen der Türkei eine Verheiratung im Kindesalter aber nicht als Straftat, sondern als Teil einer Tradition. Daher gebe es bei vielen Beteiligten kein Unrechtsbewusstsein. Die Eheschließung erfolgt in diesen Fällen meist in einer religiösen Zeremonie, die gesetzlich keinen Bestand hat.

Laut einer Untersuchung des türkischen Parlamentes aus dem Jahr 2009 heiratet jede siebte Frau in der Türkei vor ihrem 18. Lebensjahr, das entspricht 5,5 Millionen Mädchen. Laut Medienberichten werden mindestens sieben Prozent der türkischen Mädchen von ihren Eltern vorzeitig aus der Schule genommen, um sie zu verheiraten. In jüngster Zeit hatten Selbstmorde von "Kinderbräuten" die Öffentlichkeit aufgeschreckt.

Quelle: ntv.de, AFP

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