Politik

Als Ost und West Agenten tauschten "High Noon" auf der Glienicker Brücke

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Bild des letzten Agentenaustauschs im Jahr 1986.

(Foto: picture alliance / dpa)

Heute lässt Hollywood die legendären Szenen wieder zum Leben erwachen. Vor 30 Jahren fand auf der Glienicker Brücke der größte Agentenaustausch des Kalten Krieges statt. 27 Spione durften in ihre Heimat - doch ein wichtiger Protagonist blieb in Gefangenschaft.

Im vergangenen Winter wurde die deutsch-deutsche Grenze zwischen Potsdam und Berlin wieder hochgezogen. Panzersperren, Wachhäuser und Grenzschilder wurden aufgebaut - ein gespenstisches Bild an der eingeschneiten Glienicker Brücke, auf deren Mitte einst die Grenze zwischen Ost und West verlief. Doch die Panzersperren waren aus Plastik und der Schnee aus der Kanone. Steven Spielberg drehte hier den Spionagethriller "Bridge of Spies" (Brücke der Spione), der von den filmreifen Agentenaustauschen auf der Brücke handelt. Die spektakulärste Aktion dieser Art fand heute vor 30 Jahren statt.

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Dreharbeiten zu "Bridge of Spies" an der Glienicker Brücke.

(Foto: picture alliance / dpa)

1985 war die Glienicker Brücke einer der weniger frequentierten Grenzübergänge: Nur 15 bis 20 Übergänge zählte das Ministerium für Staatssicherheit etwa im Monat, die Brücke war Diplomaten und Militärmissionen als Übergang vorbehalten. Am 11. Juni 1985 jedoch sah das eiserne Gerüst der 148 Meter langen Brücke so viel Menschen, wie schon lange nicht mehr: Geheimdienstler, Grenzer, Regierungsbeamte. 23 aufgeflogene West-Spione sollten an diesem Tag im Austausch gegen vier enttarnte Ost-Agenten zurück in ihre Heimat.

Bisher wurden - auch auf der Glienicker Brücke - Spione meist einzeln ausgetauscht. Dass es nun zu einem regelrechten Massenaustausch kam zeugte weniger von einer sich erwärmenden Beziehung zwischen Ost und West, sondern eher von der geringen Bedeutung der insgesamt 27 Agenten.

Der Autor und Experte für deutsch-deutsche Beziehungen Norbert F. Pötzl sagt: "Die CIA-Agenten, die im Osten verhaftet wurden, waren kleine Fische, Freizeit-Agenten". Sie hätten oft nur kleinere Aufgaben gehabt - wie etwa Truppenbewegungen zu melden. "Lange Zeit haben sich die Amerikaner für diese in der DDR Inhaftierten gar nicht interessiert, sie haben sich gar nicht dazu bekannt."

Zwei Agenten blieben in der DDR

Der Grund, warum es zu dem Austausch kam, war eine Auseinandersetzung um den Status des sowjetischen Dissidenten Nathan Scharanski. Er war in den 1970er-Jahren verhaftet worden und um seine Freilassung bemühten sich vor allem Juden im Westen - Scharanski hat jüdische Wurzeln. Die Verhandlungen jedoch zogen sich, denn die Sowjets bestanden darauf, Scharanski als Spion auszutauschen, die USA sahen ihn jedoch als politischen Häftling an."So kamen mit der Zeit andere Gefangene ins Gespräch", sagt Pötzl.

Und so standen am 11. Juni 1985 ein Bus mit 25 Agenten auf der Potsdamer Seite und ein Chevrolet-Kastenwagen mit vier Ost-Agenten auf Westberliner Seite. Um Punkt 12 Uhr bewegte sich der Konvoi mit den West-Spionen in Richtung der weißen Linie auf der Mitte der Brücke. Zuvor war den Insassen mitgeteilt worden, dass nun die letzte Möglichkeit sei, in der DDR zu bleiben. Zwei Agenten machten davon aus persönlichen Gründen Gebrauch. Dann überquerten die übrigen 23 die Grenzlinie und steigen in einen westdeutschen Bus um.

Agenten in den Zug gesetzt

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Danach konnten auch die Ost-Spione in ihre Heimat zurückkehren: Marian Zacharski, der für den polnischen Geheimdienst - getarnt als polnischer Exporthändler in Los Angeles - Rüstungspläne der USA ausspionieren sollte,  Penju Kostadinov, der sich als ehemaliger bulgarischer Handelsattaché in Washington vertrauliche Dokumente eines FBI-V-Manns aushändigen ließ, der Dresdener Physik-Professor Alfred Zehe, der geheime US-Marineunterlagen aus Mexiko nach Ostberlin schmuggelte, und KGB-Kurierin Alice Michelson, die ein Jahr zuvor in New York festgenommen worden war.

Nachdem beide Seiten ihre "Pakete" geliefert hatten, wurde es wieder still auf der Brücke zwischen Potsdam und Berlin. Ohnehin verliefen die meisten Austausche weniger spektakulär. Oft seien Agenten einfach über die Grenze gefahren worden oder man setzte sie in einen Zug, schildert der Kalte-Krieg-Experte Pötzl. Selbst der prominente Kanzleramtsspion Günter Guillaume wurde ohne große Öffentlichkeit übergeben.

Einer jedoch durfte am 11. Juni 1985 nicht über die Grenzen: Ausgerechnet Dissident Scharanski, dessen Person die Verhandlungen um den Austausch erst angestoßen hatte. Er blieb zunächst weiter in Haft und durfte erst im Februar 1986 in den Westen, als das Tauwetter zwischen Ost und West eingesetzt hatte.

Quelle: ntv.de, mit dpa